20/04/18

Tim Berresheim

Der Aachener Künstler und Musiker erweitert die Malerei um die Multiperspektivität des digitalen Raumes

von Dietrich Roeschmann

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Tim Berresheim, Smashin‘ time II, #3, 2017, Courtesy the artist and Kunst & Denker Contemporary
Im Interview mit dem Musikmagazin „Intro” sagte Tim Berresheim kürzlich etwas ungeduldig: „Wenn die Kunst nicht welthaltig wird, sondern weiterhin Dreieckchen malt, die alle auf Instagram posten, dann wird es schwierig. Ich bin skeptisch, ob es die Kunst in der Form dann überhaupt noch gibt”. Das Ende der Kunst ist schon oft ausgerufen worden, noch öfter das der Malerei. Da ist es gut, wenn jemand vom Fach eine Lanze bricht für ihre Erneuerung, und zwar jemand, der mit beiden Beinen im 21. Jahrhundert steht. Tim Berresheim, 1975 in Heinsberg an der belgischen Grenze geboren, ist da genau der Richtige. Nach ein paar Semestern Informatik studierte er an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und anschließend bei Albert Oehlen an der Kunstakademie Düsseldorf Malerei. Der einstige „Neue Wilde” Oehlen gehört zu den wenigen Malern, die Pinsel und Spachtel als Werkzeuge bereits Ende der Neunzigerjahre um die Computermaus ergänzten, immer auf der Suche nach „richtiger Schönheit”, die nur dann entstehen könne, wenn man das Medium möglichst großen Belastungen aussetze.

Diesem Programm hat sich auch Berresheim verschrieben. Es geht ihm nicht um Ausdruck, nicht um Farbe als Material, sondern um Zeitgenossenschaft und die Frage, wie sich Malerei heute aktuell und frisch denken lässt. Seit 2002 nutzt der in Aachen lebende Künstler den Computer für die Produktion von Tafelbildern, die er in Form von Fotografien, Siebdrucken oder Digitaldrucken realisiert. Mit den Mitteln von CGI und DGI – von Computer und Daylight Generated Imaginery – entwirft er illusionistische Bühnenräume für seine dichten, oft extrem detailreichen Arrangements aus abstrakten und figurativen Elementen, die dennoch in jedem Moment völlig plausibel und gewissermaßen realistisch wirken, da sie Gesetzmäßigkeiten der Schwerkraft, des Volumens oder der Perspektive zu folgen scheinen. Die Software, die er dafür nutzt – und bei Bedarf auch für seine eigenen Zwecke manipuliert –, stammt aus unterschiedlichsten Kontexten, vom 3-D-Simulator für physikalische Experimente bis zum Wettervorhersageprogramm.

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Tim Berresheim, Smashin‘ time II, #1, 2017, Courtesy the artist and Kunst & Denker Contemporary
Tim Berresheim, der nebenher als Musiker in diversen Bands spielt, ein eigenes Plattenlabel betreibt und mit seinem 2017 gegründeten Studio New Amerika Szenografien für Festivals und Street Fashion Stores entwickelt, stellt als Künstler längst auch international aus. Zuletzt waren seine Arbeiten unter anderem in Los Angeles zu sehen, in einer Schau mit dem programmatischen Titel „Aus alter Wurzel neue Kraft”. Wie in den meisten Ausstellungen, an denen er in den vergangenen Jahre beteiligt war, lagen auch hier 3-D-Brillen aus. Denn was den 43-Jährigen seit langem umtreibt, ist die Frage, wie die Malerei die klassische Zentralperspektive überwinden und in die Multiperspektivität des digitalen Raumes eintreten könne. In zwei Gruppenschauen in Riehen und in Stuttgart wird Berresheim nun seine jüngsten Arbeiten zwischen CGI-Malerei, Fotografie und 3-D-Animation in eigens dafür inszenierten Raum-in-Raum-Situationen vorstellen.  


Tim Berresheim u.a. in der Ausstellung:
Mixed Realities. Virtuelle und reale Welten in der Kunst.
Kunstmuseum Stuttgart
Kleiner Schlossplatz 1, Stuttgart.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr, Freitag 10.00 bis 21.00 Uhr.
5. Mai bis 26. August 2018.

Tim Berresheim: Smashin’ Time II (und Louisa Clement).
Kunst Raum Riehen
Baselstr. 71, Riehen / Basel.
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 13.00 bis 18.00 Uhr, Samstag bis Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr.
18. Mai bis 11. August 2018.

 

 



 

 

 




Kunstmuseum Stuttgart
Kunstraum Riehen