19/04/18

Der Blick des Sammlers

Die neue Ausstellung im Kunstraum Alexander Bürkle hat Paul Ege kuratiert

von Annette Hoffmann
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Ausstellungsansicht Blickwechsel. Werke aus der Sammlung, Kunstraum Alexander Bürkle, 2018. Foto: Bernhard Strauss
Nur einmal angenommen, der Kunstraum Alexander Bürkle wäre ein Museum, dann würde der Betrachter sich bei jeder Gelegenheit seine eigene imaginäre Sammlung aufbauen und bei jedem Besuch diese neu konstituieren. Nun ist der Kunstraum Alexander Bürkle kein Museum, sondern der Ausstellungsraum für eine Sammlung, die immer nur als schmaler Ausschnitt und in der Hierarchie der Raumfolgen gezeigt werden kann. Erst auf die Dauer und im Wechsel der Ausstellungen bildet sich durch die Erinnerung und das Sehen so etwas wie ein imaginäres Museum. Für dieses Mal hat Sammler Paul Ege erneut die Auswahl übernommen und Werke zusammengebracht, die ihren Platz in der Sammlung haben oder ihn jüngst bekommen haben.

Dass dieser Blickwechsel ein Angebot ist, das man aufgreifen kann, zeigt programmatisch der erste Raum. Denn dort steht man einer Arbeit des Freiburger Künstlers Günther Holder aus dem Jahr 2015 gegenüber. Es ist ein überlebensgroßer Klotz aus Leimholz, der an zwei Seiten mit petrolgrüner Farbe bemalt und lackiert wurde, so dass man sich in dieser glänzenden Oberfläche spiegeln kann. Der Betrachter ist selbst Teil des Spiels. Der zweite Raum jedoch bringt mit dem Licht eine weitere Grundbedingung des Sehens ins Spiel. So besteht Brigitte Kowanz‘ Arbeit „Enjoy the secret“ aus einem gläsernen, transparenten Würfel, in dem der Titel als Neonschriftzug aufleuchtet. Von einer Seite jedoch ist die Arbeit verspiegelt. Reflektiert das Innere ansonsten das Geheimnis schier ins Unendliche, so versperrt eine der Flächen jeglichen Blick auf das Innenleben des Kubus. Und auch die achtteilige Aquatinta-Serie „Still Light“ von James Turrell reflektiert über die Natur des Lichtes. Turrell, der vor allem durch seine Licht-Installationen bekannt ist, schafft durch unterschiedliche Stufen von Grau Räume, die sich der Illusion der Zentralperspektive entziehen. Turrell hat geometrische Formen wie Quader, Dreiecke oder Pyramiden, die selbst zwischen Fläche und Körper stehen, in die Ecke dieses imaginären Raumes eingezogen.

Was bleibt ist die Farbe, aber auch – selbst in einer Sammlung, deren Schwerpunkt die monochrome Malerei ist – das Volumen. Eine Arbeit wie die Bodeninstallation von 1.500 mit Goldfarbe überzogenen Wackersteinen von Isabel Zuber, die hier lange zu sehen war, zeigt, wie sehr Oberflächen über unsere Wahrnehmung von Farbe entscheiden. In „Blickwechsel“ wird sich das noch in der Gegenüberstellung antiker Stauten mit monochromen Bildern von Rudolf de Crignis zeigen, aber auch in Synthesen wie etwa Andreas von Ows Arbeit „Carraramarmormehl“ von 2012, bei der er Marmorstaub unterschiedlich dicht auf eine gefundene Glasplatte aufbrachte und deren Grünton auch auf den Raum abstrahlt.

Im fünften Raum, der bis auf Richard Longs Steinkreis „Clod, Spring, Circle“ ganz dem Werk von Rupprecht Geiger gewidmet ist, lässt sich das Zusammenspiel von Farbe und Trägermaterial beobachten. Tatsächlich könnte diese Konstellation so etwas wie ein Lieblingsraum dieser Ausstellung sein. Geigers Serigrafie aus den 1980er Jahren, die auf der Variation von geometrischen Formen wie Ovale, Quader und Rechtecken bestehen, wirkt immer noch ausgesprochen frisch. Er testet Farbkombinationen in Neon und auch Farbverläufe, was den Blättern eine zeitlose Signalwirkung gibt. Vertieft wird die Auseinandersetzung mit der Farbe durch Kataloge und Künstlerbücher Rupprecht Geigers, die in zwei Vitrinen ausliegen und die Farbe Rot als Absolutheitserfahrung feiern. „Farbe macht Licht, Raum, Bewegung und Zeit“, schreibt Geiger einmal. Da ist dann der Betrachter durchaus mitgemeint.

Blickwechsel. Werke aus der Sammlung.
Kunstraum Alexander Bürkle
Robert-Bunsen-Str. 5, Freiburg.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag und Sonntag 11 bis 17 Uhr.
Bis 17. Juni.

 




Kunstraum Alexander Bürkle