16/04/18

Mein Norden ist dein Süden

Drei Fragen an die Freiburger Kuratorinnen eines deutsch-französischen Ausstellungsprojektes

von Dietrich Roeschmann

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Tobias Donat, Departure, 2017, Courtesy the artist and Philipp Pflug Contemporary, Frankfurt am Main, Foto: Wolfgang Günzel

Artline: Demnächst zeigen das Museum für Neue Kunst Freiburg und die Kunsthalle Mulhouse die Doppelschau "Your North is My South/Mon Nord es ton Sud". Was ist das Thema?
Elena Frickmann: Es um die Frage, wie der Raum die Wahrnehmung beeinflusst. Dabei nimmt die Kunsthalle Mulhouse den geografischen Raum in den Fokus, während Christine Litz und ich uns mit unserer Ausstellung im Museum für Neue Kunst auf den virtuellen Raum konzentrieren. Beide Räume tragen unfraglich eine immense Bedeutung, aber die Parameter sind völlig unterschiedlich: Es gibt andere Akteure, andere Regeln, andere Schwierigkeiten. Mit „Your North Is My South” versuchen wir diesen Raum zu erforschen und was er mit uns macht. Ein gutes Beispiel sind die dort allgegenwärtigen Algorithmen, die beeinflussen können, welche Nachrichten wir konsumieren, welche Informationen oder Empfehlungen wir erhalten, und damit oftmals auch, welche Entscheidungen daraus resultieren.

 

Artline: Grenzüberschreitende Kooperationen von Kunstinstitutionen sind trotz entsprechender EU-Förderprogramme nach wie vor selten. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Christine Litz:
Schon lange vor meinem Antritt als Direktorin des Museums für Neue Kunst habe ich die Arbeit der Kunsthalle Mulhouse mit großem Interesse verfolgt. Mit deren Direktorin Sandrine Wymann haben wir uns dann vor fünf Jahren verständigt, dass wir – wenn uns eine gute Idee kommt – ein gemeinsames Projekt stemmen wollen. Bei unserer aktuellen Kooperation werden wir vom Fonds „Perspektive” unterstützt, der speziell deutsch-französische Projekte fördert. Das ist ein relativ neuer Fonds, der für uns nicht nur finanziell, sondern auch in Sachen Öffentlichkeitsarbeit ein immens wichtiger Partner ist. Zudem sind wir mit der FEFA – Fondation Entente franco-allemande – im Gespräch und hoffen auf Unterstützung, die das Zusammentreffen und den Austausch von deutschem und französischem Publikum in den Vordergrund stellt.


Artline: Wie gestaltet sich die Kooperation? Gibt es kulturpolitische oder andere Hindernisse?
Elena Frickmann: Die Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Mulhouse und speziell mit Sandrine Wymann empfinden wir als äußerst unproblematisch und angenehm, denn wir waren uns von Beginn an einig, was wir wollen. Beide Häuser sind international agierende Institutionen, die den Blick auf ihre Region dennoch nicht verlieren möchten. Diese Balance zu halten ist aber auch schwierig, das merken beide. In Frankreich spielt zum Beispiel die Sprache eine zentrale Rolle. Sie wird durch das Loi Toubon geschützt, dass den Gebrauch des Englischen stark einschränkt.           

Your North is My South / Mon nord est ton sud.
Museum für Neue Kunst, Marienstr. 10a, Freiburg.
28. April bis 7. Oktober 2018.
La Kunsthalle Mulhouse, 16, rue de la Fonderie, Mulhouse.
Ab September 2018.

 

 

 




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