04/04/18

Surrealismus der anderen Art

Marc-Antoine Fehrt zeigt im Kunstmuseum Olten "Bilder aus den letzten Jahren"

von Annette Hoffmann

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Marc-Antoine Fehr, Le Livreur, 2014, Courtesy the artist and Galerie Peter Kilchmann, Zurich, Foto: Galerie Peter Kilchmann
Steigt man im Kunstmuseum Olten in das oberste Stockwerk, steht man im Treppenhaus vor einer Arbeit von Marie-Hélène Clément mit einem ländlichen Motiv. Diese Koinzidenz ist einerseits bezeichnend, zeigt sie doch auf, in welche (Künstler-)Familie Marc-Antoine Fehr 1953 hineingeboren wurde, andererseits hat sich das Werk des Schweizer Malers unabhängig vom Schaffen seiner Mutter oder gar seines Großvaters entwickelt.

Das Kunstmuseum Olten jedenfalls widmet Fehr unter dem rätselhaften Titel „Renaissance – Bilder aus den letzten Jahren“ eine Ausstellung, die sich über die verzweigten Museumsräume ausbreitet. Sie wird zu einem wechselhaften Parcours. Denn während Fehr in seinen Großformaten – und von diesen gibt es hier einige – oft geradezu surreal wird, so stellt sich dieses irrationale Element zwar auch bei seinen Kleinformaten ein, aber mehr noch scheinen diese eine Art Tagebuchfunktion zu erfüllen. Unter diesen Bildern aus den letzten fünfzehn Jahren gibt es kaum ein Sujet, das nicht vorkommt. Und obgleich Fehr ein sehr eigenwilliger Maler ist, finden sich hier geradezu konventionelle Motive: sommerliche Laubgänge in einer südlichen Stadt, einen Mann mit Hut, der sich bei einem Pleinairmaler Bilder ansieht oder Porträts nahestehender Personen. Dazwischen sind immer wieder Haustiere in charakteristischen Szenen abgebildet: ein Hund, wie er auf einer langen leeren Tafel oder einem Brett seinen Kopf abgelegt hat oder ein Rabe mit rotem Schnabel wie aus einem Comic, der eine ganze Hand füllt und in der Werkgruppe der „Vagabondages“ auch mal zum Riesen werden kann. Es sind einnehmende Bilder, in unterschiedlicher Weise gemalt, mal ganz unverrätselt gegenständlich, mal lediglich zeichnerisch angedeutet. Wesentlich ausgearbeiteter sind Marc-Antoine Fehrs Großformate, die zudem einer ganz eigenen surre­alistischen Bildsprache folgen. Etwa „Les enfants“ von 2016, ein Bild, das von einer Trommel mit einem merkwürdigen Innenleben dominiert wird. Rechts davon befindet sich eine Eule, die lediglich aus Flügelschlag und Kopf zu bestehen scheint, auf der anderen Seite hat sich ein Junge niedergelassen, der eine Mitra auf dem Kopf trägt. Diese Bilder wirken wie Allegorien in einer fremden Symbolsprache. Nicht weniger existentiell erscheint das Querformat „Le Livreur“ aus dem Jahr 2014. Es ist durch ausgeprägte Horizontalen bestimmt, die mittlere, die an eine Eiswüste oder einen Kalksteinbruch erinnert, ist von einem dräuenden Himmel und einer roten Fläche umschlossen. Winzig klein ist im Weiß ein, von einem Pferd gezogener Karren zu sehen, der von einem Menschen begleitet wird. Die Botschaft, die er überbringt oder die Ware, die er ausliefert, bleibt ein Rätsel. Marc-Antoine Fehr jedoch ist für alle, die ihn noch nicht kennen, eine Entdeckung.        

 

Marc-Antoine Fehr, Renaissance. Bilder aus den letzten Jahren.
Kunstmuseum Olten
Kirchgasse 8, Olten.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14.00 bis 17.00 Uhr, Donnerstag 14.00 bis 19.00 Uhr, Samstag bis Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 13. Mai 2018.

 

 

 

 

 




Kunstmuseum Olten