23/03/18

Das Ungefähre des sozialen Raums

In Esther Hunzikers Einzelausstellung im Kunsthaus Baselland darf man sich ein bisschen fremd fühlen

von Dietrich Roeschmann

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Esther Hunziker, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland, 2018, Foto: Gina Folly
Blablabla. Im Untergeschoss im Kunsthaus Baselland vibriert die Luft vom Summen der Stimmen, die hier aus sechs im Raum verteilten Monitoren dringen, jeder auf einem bühnenartigen Podest thronend, ganz für sich, wie ins Selbstgespräch vertieft. Die Stimmen kommen aus organisch animierten Meteoritenbrocken, die sich auf den Screens wie sprechende Mundpartien bewegen. Das sieht lustig aus und auch ein bisschen traurig, denn identifiziert man die von Sinnsuche und Verlorenheitsgefühlen brabbelnden Installationen mit Personen, wird schlagartig die Distanziertheit deutlich, mit der jede den anderen den Rücken zuwendet oder die kalte Schulter zeigt.

Und schon ist man mitten im Thema der kurzweiligen Soloschau von Esther Hunziker (*1969), die auch ansonsten viel dafür tut, dass sich die Besucher auf seltsam anregende Weise fremd fühlen zwischen ihren aktuellen Werken. Daran ändert selbst die scheinbar freundliche Begrüßung „HI THERE” wenig, die in großen Lettern an der Wand prangt, denn auch hier bleibt der Verdacht, dass es sich lediglich um den Gruß eines Chatbots handeln könnte, der mit uns kommuniziert, damit wir reagieren und indem wir das tun, unsere Daten preisgeben. Auf einem Tisch davor liegen wahllos die Druckbögen für Hunzikers jüngste Publikation verstreut, für die die Basler Künstlerin ausgewählte Ergebnisse einer Online-Bildrecherche zum Thema „Entfremdung/Alienation” so collagiert hat, dass sich die einzelnen Motive gegenseitig überlagern. Die auf diese Weise sowohl analog als auch digital geschichteten Informationen lassen einen spekulativen Raum entstehen, der wie eine Echokammer der ins Ungefähre der sozialen Netze gerichteten Kommunikation wirkt, aus der sich diese eigenwillige Bilderflut speist. Die plappernden Meteoriten im Nebensaal rezitieren dazu Selbstfindungsmonologe, die Hunziker hundertfach bei Youtube fand. In der eleganten Schwarz-Weiß-Ästhetik ihres minimalistisch-futuristischen Ausstellungsdisplays erzählen sie wie Alien-Muppet-Puppen aus einer fernen Galaxie vom paradoxen Wunsch, die eigene, fragile Identität ausgerechnet im größtmöglichen und denkbar anonymen öffentlichen Raum des Internets zu verhandeln.    

 

Esther Hunziker.
Kunsthaus Baselland
St. Jakob-Str. 170, Basel-Muttenz.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 2. April 2018.

 


 




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