27/02/18

Durch die Decke

Das Zürcher Museum für Gestaltung feiert Neueröffnung in seiner sanierten Architekturikone

von Dietrich Roeschmann

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Museum für Gestaltung Zürich, Gebäude Ausstellungsstrasse, 2017, © Foto: Georg Aerni
Drei Jahre hat die Sanierung gedauert – und es war mehr als bloße Kosmetik. Mit der Wiedereröffnung des Zürcher Museums für Gestaltung an der Ausstellungsstrasse geht Anfang März nicht nur die aufwändige Modernisierung des 1933 erbauten, heute denkmalgeschützten Museums- und Schulhaus-Ensembles von Adolf Steger und Karl Egender zu Ende, sondern auch eine wichtige Etappe in der seit Jahren andauernden Erweiterung der Zürcher Museumslandschaft. Die Neueröffnung des Löwenbräu-Areals machte 2012 den Anfang; zwei Jahre später folgte auf dem Toni-Areal die Einweihung des Campus der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) samt Schaudepot, das die vier hauseigenen Sammlungen Plakat, Design, Kunstgewerbe und Grafik seither an einem Ort vereint. Im vergangenen Sommer eröffnete dann der neue Erweiterungsbau des Landesmuseums, und bis in zwei Jahren will auch das Kunsthaus Zürich seine Ausstellungsfläche verdoppelt haben. Die Vernissage des von David Chipperfield entworfenen Erweiterungsbaus ist für Frühjahr 2020 geplant – sollte es aufgrund der an­spruchsvollen Bauarbeiten samt unterirdischer Verbindung zum Haupthaus nicht doch noch zu finanziellen Engpässen kommen, wie Experten anlässlich des dramatischen Besucherrückgangs von mehr als 28 Prozent im Jahr 2017 zuletzt spekulierten.

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atelier oï, A Com­position for Cords, 2006 (m.), Installationsansicht Centro Culturale Svizzero, Mailand, 2006, © atelier oï
Das Museum für Gestaltung hat derlei nicht zu befürchten. Schon im vergangenen Jahr konnte hier der Schultrakt, in dem einst die Kunstgewerbeschule – und spätere ZHdK – untergebracht war, als Berufsschulzentrum wiedereröffnen. Im Museumstrakt hingegen gingen die Bauarbeiten weiter, nicht zuletzt wegen der Entfernung der Hallendecke, die hier in den Sechzigern eingezogen worden war, um die Ausstellungsfläche zu vergrößern. Behutsam in den Originalzustand zurückversetzt, lässt die jetzt wieder doppelgeschossige Halle in ihrer lichten Klarheit und radikalen Funktionalität erahnen, warum das konservative Zürich damals Sturm lief gegen diese Architektur. Zu kalt, zu demokratisch, zu modern. Heute zählt der Bau von Steger und Egender zu den Schlüsselwerken des Neuen Bauens in der Schweiz. Erweitert wurde das Haus im Zuge der Sanierung zudem um zwei  große Ausstellungssäle im Untergeschoss, wo zur Wiedereröffnung nun 2.000 Highlights der 1875 gegründeten, heute rund 500.000 Objekte zählenden Sammlung präsentiert werden. Umfassender gab hier bislang keine Ausstellung Einblick in die Geschichte der Gestaltung, ihrer Trends, Moden und gesellschaftlichen Wirksamkeit. Fünfzigmal so viele Sammlungs-Exponate bietet darüber hinaus – allerdings ohne die unvergleichliche reale Raum­erfahrung – das umfangreiche Online-Archiv unter emuseum.  

 

Museum für Gestaltung
Ausstellungsstr. 60, Zürich.
Wiedereröffnung am 2. und 3. März 2018.

atelier oï
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr, Mittwoch 10.00 bis 20.00 Uhr.
3. März bis 30. September 2018.

 

 

 




Museum Gestaltung