26/02/18

Anja Braun

Für die Basler Künstlerin ist Malerei ein Transformationsprozess verschiedenster Dimensionen

von Annette Hoffmann
Thumbnail

anjabraunfarbe.jpg

Anja Braun, ohne Titel, 2017, courtesy the artist
Nicht alles unterliegt den physikalischen Gesetzen. Bevor die magnetischen Kräfte das Häufchen Pigment neu ausrichten können, gibt Anja Braun (*1985) ihm mit Daumen und Zeigefinger eine Form, die ein bisschen so aussieht, als trüge der Stift eine helmartige extravagante Kopfbedeckung. Ein ganzes Bord mit diesen Farbkonfigurationen verwahrt sie in einem Schrank in ihrem Basler Atelier in der Nähe des Hafens. Es ist das Ergebnis einer intensiven Materialrecherche über eisenhaltige Pigmente. Der Magnetismus gibt der Farbe jenes pelzartige Aussehen, das man vom Physikunterricht aus Experimenten mit Eisenspänen kennt, aber es ist keine endgültige Form. Die Farbe kann sich neu formieren, ohne sich dabei eigentlich zu verwandeln. Anja Braun nennt es ein „Ready-Made des Pigments“. Und tatsächlich soll Caput mortuum, eines der Pigmente, das Anja Braun öfters verwendet, sozusagen ein Abfallprodukt der Alchemisten beim Erzeugen von Schwefelsäure im 15. Jahrhundert gewesen sein. Das eisenoxidhaltige Pigment mit dem Namen Totenkopf ergibt ein sattes Rot, das ins Violett geht. Ausgelöst wurde Brauns Interesse an diesem Phänomen durch die magnetischen Sandstrände im georgischen Ureki von schwärzlicher Farbe.

Doch vielleicht begann es noch früher. Denn bevor Anja Braun, die in Freiburg geboren wurde und im Schwarzwald aufwuchs, Kunst studierte – erst in Bern, dann in Berlin und Basel – machte sie in Freiburg bei einem Museumsrestaurator ein Praktikum. Es muss eine nachhaltige Einführung und ein Crashkurs in Sachen Materialkunde gewesen sein, der eigene weitergehende Nachforschungen auslöste. Die Werke von Anja Braun, seien es Bilder, Objekte, Videos oder Installationen, sind so immer auch Studien der Wahrnehmung. In ihrer Serie „Unsere Zukunft liegt vielleicht auf dem Meer“, die 2015 im Kunsthaus Glarus in der Ausstellung zum Kiefer Hablitzel Preis zu sehen war, spielt sie Glas und Holz als Träger von Farbe durch. Es führt zu verschiedenen Graden von Sattheit und einer Öffnung der Malerei hin zum Raum.

Anja Brauns Selbstbild als Malerin ist weit gefasst. Ihre Arbeiten schließen durch die Spiegelung oft die Dimension Zeit ein und breiten sich im Raum aus. Gut möglich, dass dies unmittelbar aus ihrer Arbeitsweise resultiert, die sie als gleichermaßen experimentell und konzeptuell beschreibt. Aus dem spielerischen Umgang mit dem Material oder einer spezifischen Ausstellungssituation ergibt sich für die Künstlerin dann ein Werkansatz, den sie konsequent weiterverfolgt. Das Performative ist da nie weit weg.

Derzeit ist Anja Braun gut beschäftigt. Im März steht ihre Einzelausstellung in der Städtischen Galerie Stapflehus in Weil an, zusammen mit ihrer Ateliernachbarin Sara Gassmann wird sie ebenfalls im Frühjahr im Künstlerhaus S11 in Solothurn ihre Arbeiten zeigen. Und dann ist sie noch an einem Gruppenprojekt mit Präsentationen in Schaffhausen, Freiburg und Basel beteiligt. In ihrem Atelier erprobt sie gerade, wie sie am besten die 32-teilige Arbeit „One month in one day“ in Weil zeigen könnte. Die horizontal angeordneten Farbstreifen in Öl gehen auf Aquarelle zurück, die sie in den Schweizer Bergen zu jeweils unterschiedlichen Zeiten machte und die für sie auch eine Form der Landschaftsmalerei sind. Für Ölfarbe hatte sie sich entschieden, da sie als Träger neutraler sei. Eine halbkreisförmige Trägerkonstruktion ist eine Möglichkeit, die sie in Erwägung zieht. Eine Annäherung an das Panorama, das dem Betrachter versinnbildlicht, Malerei ist nicht nur Farbe auf Fläche, sondern hat auch etwas mit Zeit und Raum zu tun.  


Anja Braun: Jardin des Arts.
Kunstverein Weil am Rhein, Bläsiring 10, Weil.
Öffnungszeiten: Samstag 15.00 bis 18.00 Uhr, Sonntag 14.00 bis 18.00 Uhr.
11. März bis 15. April 2018.

Die Lücke – Systemfehler durch Irrtum und Defekt.
Vebikus Kunsthalle, Baumgartenstr. 19, Schaffhausen.
Öffnungszeiten: Donnerstag 18.00 bis 20.00 Uhr, Freitag 16.00 bis 19.00 Uhr, Samstag bis Sonntag 12.00 bis 16.00 Uhr.
17. Februar bis 8. April 2018.

Dimension der Farbe.
Trudelhaus, Obere Halde 36, Baden.
Öffnungszeiten: Freitag 14.00 bis 18.00 Uhr, Samstag bis Sonntag 14.00 bis 17.00 UHr.
23. Februar bis 22. April 2018.