18/01/18

Retrospektive aus der Sammlung

Das Kunstmuseum Basel zeigt eine kleine Werkschau des Basler Künstlers Werner von Mutzenbecher

von Annette Hoffmann

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Werner von Mutzenbecher, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Basel, 2017, Foto: Martin P. Bühler
Viele haben solche Reisen gemacht. Als Werner von Mutzenbecher sich nach Polen aufmachte, um in Pelczyn seine Kindheitserinnerungen zu überprüfen, war er 50 Jahre alt. Alt genug, um eine Zwischenbilanz zu ziehen, doch zu jung, um sentimental zu sein. Werner von Mutzenbechers 1988 entstandener Film „Die Polenreise“ beginnt mit der Ankündigung eines Briefes, der nie geschrieben werden wird. Der Film mit den Reiseeindrücken und den sich wiederholenden Bildern steht an seiner Statt. Während von Mutzenbechers Stimme immer im gleichen Tempo, ausgehend von Berlin das Wetter, die Begegnungen in Pelczyn und später seinen Eindruck von Auschwitz beschreibt, durchbrechen die Bilder diese Narration. Sie wiederholen sich, im schnelleren Rhythmus und durch verschiedene Farbtöne verfremdet. Werner von Mutzenbecher hat die Filmbilder später mit Filtern bearbeitet. Manchmal blickt man durch die Scheiben eines Autos, was den Eindruck eines Roadmovies noch verstärkt.

Wenn das Kunstmuseum Basel dem Künstler nun eine kleine Werkpräsentation aus der Sammlung widmet, hat dies einerseits mit dem 80. Geburtstag von Werner von Mutzenbecher zu tun, andererseits mit dem Zugewinn an Platz, der es dem Museum erlaubt, stärker das regionale Schaffen zu berücksichtigen. Und Werner von Mutzenbecher ist, obwohl 1937 in Frankfurt geboren, eng mit Basel verbunden, er wuchs in Riehen auf, studierte in Basel, besuchte die Allgemeine Gewerbeschule, war kurzzeitig Leiter der Kunsthalle und unterrichtete. Der Ausstellungsraum ist durch die Gegenüberstellung von Malerei und Film geprägt. Hier das Schichten von Farbe wie in den beiden großformatigen Bildern der 1960er Jahre „Figur“ und „Ausblick“ und im Film ein Nacheinander, obgleich der Künstler durch formale Experimente mit einem Fensterkreuz und das Abfilmen des Filmes dieses beinahe schon außer Kraft setzte. In „Melancholia“ aus den späten 80ern mit seinem in den rot umrissenen Kubus eingeschriebenen Polyeder aus blauen Linien auf dunklem Grund gelingt eine ähnliche Überblendung von geometrischen Formen. Was die Experimentalfilme von Mutzenbechers auch eröffneten, war eine Auseinandersetzung mit dem Ich. Nicht allein, indem ein solches als Erzähler auftritt, sondern auch indem sich der Betrachter mit diesem identifiziert und sich dessen Wahrnehmung aneignet.

 

Werner von Mutzenbecher
Kunstmuseum Basel
St. Alban-Graben 16, Basel.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag 10.00 bis 20.00 Uhr.
Bis 25. Februar 2018.


 


 




Kunstmuseum Basel