10/01/18

Arbeitssymbiose

Das Vitra Design Museum würdigt das Schaffen von Ray und Charles Eames mit einer Retrospektive

von Annette Hoffmann

raycharleseames.jpgCharles und Ray Eames wählen Dias aus, © Eames Office LLC
Sie waren ihrer Zeit voraus. Eine derart enge Zusammenarbeit wie die zwischen Charles und Ray Eames war in den 1950er Jahren nicht vorgesehen. Wie selbstverständlich fragt eine Fernsehmoderatorin Ray Eames, auf welche Weise sie denn ihren Mann unterstütze, um im nächsten Atemzug das Ermöglichen von Höchstleistungen als großen Vorteil einer solchen „working family“ hervorzuheben. An eine wechselseitige Inspiration war dabei nicht gedacht. Ray Eames lacht, während ihr Mann daran erinnert, dass seine Frau bevor sie eine erfolgreiche Designerin wurde, bereits bei Hans Hofmann Malerei studiert hatte. Geschenkt. Für Ray und Charles Eames jedoch waren ihre Gemeinsamkeiten die Basis ihres Erfolges. Im Vitra Design Museum, wo neben vielen anderen Zeitzeugnissen auch das Fernsehinterview der beiden zu sehen ist, breitet sich eine große Retrospektive nun über das ganze Areal aus. „An Eames Celebration“ verteilt sich über das Schaudepot bis hin zum Vitra Design Museum, würdigt das Spielzeug der Eames‘ sowie einzelne Möbellinien. Die Werkschau wurde am Londoner Barbican Centre konzipiert und nun für Weil adaptiert.

Die Hauptausstellung im Vitra Design Museum zeigt, dass die Zeitläufte gar nicht so unglücklich sein können, dass sie nicht doch jemandem nutzen. Im Zweiten Weltkrieg arbeiteten Ray und Charles Eames an Tragen und Beinschienen aus geformtem Schichtholz, die besser an den Körper der Kriegsversehrten angepasst werden konnten. Es waren Erfahrungen, die auch in ihre Stühle einflossen. Das Paar lernte sich 1940 kennen, ein Jahr später ließ sich Charles Eames von seiner ersten Frau scheiden und die beiden heirateten. Ihr Wohnhaus, das in der Reihe der Case Study Houses entworfen wurde, kann für ihren Lebensstil stehen, der jegliche Trennung zwischen privat und beruflich aufhob. Nicht nur ist das Haus auf Transparenz aus, die Eames fotografierten hier ihre Entwürfe und drehten Filme. Später sollten sie Ausstellungen inszenieren und sich so verstärkt der Kommunikation widmen. Sie prägten unsere Vorstellungen von Kreativität und einem modernen Leben.

Die Schau gibt nicht zuletzt einen Eindruck in Materialkunde, so zeigt sie die Experimente von Ray und Charles Eames mit Sperrholz und stellt ihre Kooperation mit einem Fiberglashersteller vor. Die Schalensitze machen die besondere Oberfläche dieses Materials sichtbar. Nicht minder wichtig waren jedoch die Farben, in denen diese stapelbaren Stühle produziert wurden. Ging es den Eames‘ zu dieser Zeit vor allem darum, funktionale Möbel für alle erschwinglich zu machen, weshalb sie industrielle Prozesse in die Möbelherstellung integrierten, so entwarfen sie in den späten 50er Jahren Modelle wie den Lounge Chair, den sich durch die verwendeten Edelhölzer und Lederpolster dann nicht mehr alle leisten konnten.              

 

Charles & Ray Eames
Vitra Design Museum
Charles-Eames-Str. 1, Weil.
Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr.
Bis 25. Februar 2018.

Anlässlich der Ausstellung erscheint das Eames Furniture Sourcebook, hrsg. v. Mateo Kries und Jolanthe Kugler, Weil am Rhein 2017, 336 S., 49,90 Euro | ca. 51.90 Franken.

 

 






Vitra Design Museum