28/11/11

Durchbrochene Räume, kleinste Details

Anlässlich des Oberrheinischen Kunstpreises sind Werke von Corinne Wasmuht in Offenburg zu sehen.

von Yvonne Ziegler
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Anlässlich des Oberrheinischen Kunstpreises sind Werke von Corinne Wasmuht in Offenburg zu sehen.Corrine Wasmuht

Dass Corinne Wasmuht (*1964) nach der misslungenen Preisverleihung an Wolf Pehlke nun der erste Oberrheinische Kunstpreis zuerkannt wurde, ist wohlverdient. Die Karlsruhe Akademieprofessorin malt singuläre zeitbezogene Gemälde, die vor Augen führen, dass die Malerei noch lange nicht ausgedient hat. Ihre großformatigen Werke verschmelzen unzählige Fragmente unserer Wahrnehmungswelt zu vertrauten, ungesehenen Orten. Sie bestehen aus vielen heterogenen Bildbestandteilen, welche die Künstlerin durch Überschneidung, Auslassung, Perspektivwechsel, Farbflecken zu einem faszinierenden Ganzen zusammenfügt. Je nach Standpunkt lassen sich große durchbrochene Räume oder kleinste Details ausmachen, vielerorts löst sich das, was konkret anmutet, auf und wird zu Farbflecken, Pixeln. Erinnerungen, Zeitschriftenbilder, Fotos und Sciencefictionfilme bilden das visuelle Reservoir, aus dem Wasmuht schöpft. Zu Bild bringt sie Orte der Passage, Sinnbilder globaler Mobilität wie U-Bahnstationen, Flughafenhallen oder Tunnel.

Im Rahmen des Oberrheinischen Kunstpreises wurde ihr in der Städtischen Galerie Offenburg eine Ausstellung ausgerichtet sowie ein Katalog produziert. Es ist zwar spannend, anhand der zwischen 1986 und 2001 entstandenen ausgestellten Collagen ihre Bildwelt, die sich unter anderem aus Pflanzen, Wasser, Gewalt, Atomen und Mustern zusammensetzt, zu betrachten, doch reichen diese Werke nicht an die komplexen Gemälde heran, deren Leerstellen man mit eigenen Erinnerungsbildern füllen kann. Nur zwei Gemälde sind zu sehen, wovon jedoch eines so wirkt als hätte es das Atelier zu früh verlassen. Man vermisst das spannende Spiel von Ganzheit, Detail und Auflösung. Immerhin kann man das Produktionsprinzip von aufgetragenen Bleistiftlinien und freier malerischer Weiterbearbeitung gut studieren. Der Katalog – in der Pressemitteilung als Künstlerbuch angekündigt – ist ein reines Bilderbuch, das ganz ohne Werkverzeichnis, Betitelungen oder Datierungen auskommt. Man erfährt so auch nicht, warum und ob die Künstlerin 2001 mit Collagen aufgehört hat und warum sie ausgerechnet jetzt, zehn Jahre später, erstmals ausstellt werden. Anscheinend gibt es wohl weitere, unfertige sowie am Computer gearbeitete Collagen. Dass sich die Offenburger Schau nahezu ausschließlich auf diesen einen Werkkomplex beschränkt, lässt die zahlreichen anderen Facetten von Corinne Wasmuhts Œuvre leider unbeachtet. Schade.

Corinne Wasmuht
Städtische Galerie Offenburg

Amand-Goegg-Str. 2, Offenburg.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 13.00 bis 17.00 Uhr, Mittwoch 13.00 bis 20.00 Uhr, Samstag oder Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 15. Januar 2012.
Städtische Galerie Offenburg