08/01/18

Cédric Eisenring

In klassischen graphischen Verfahren und poetischen Displays erkundet der Zürcher das Verhältnis von Bildproduktion und Raumintervention

von Dietrich Roeschmann

cedriceisenringmeeting.jpgCédric Eisenring, Das Meeting, 2016 (o.l.), Courtesy the artist
Es läuft derzeit gut für Cédric Eisenring (*1983). Erst im Sommer hatte der in Zürich lebende Künstler einen der begehrten Swiss Art Awards erhalten. An der Ausstellung der Nominierten am Rande der Art Basel präsentierte er seine aktuellen Arbeiten, darunter zwei großformatige Triptychen im Kupferstichverfahren. Kurz darauf folgte für Eisenring der Manor Kunstpreis Aarau 2018, verbunden mit einer umfangreichen Soloschau im Aargauer Kunsthaus, die zugleich die erste institutionellen Einzelausstellung seiner Karriere ist.

Das ist durchaus bemerkenswert. Denn tatsächlich gehört Eisenring schon seit längerem zu den etablierten Protagonisten einer gut vernetzten, kollaborativ und international agierenden jungen Szene, die das „Magazin” des Zürcher Tagesanzeigers vor ein paar Jahren noch im heftigen „Generationskonflikt mit dem handwerklich orientierten Schweizer Kunstestablishment” wähnte. Unterfüttert wurde diese Einschätzung von Anekdoten wie der über den Auftritt Giaco Schiessers in der Gruppenschau „Wenn die Nacht am dunkelsten ist, kommt der Tag” 2011 im Helmhaus Zürich, an der auch Cédric Eisenring mit einer Gemeinschaftsarbeit mit Thomas Julier beteiligt war. Der langjährige Leiter des Departments Kunst & Medien an der Zürcher Hochschule der Künste, der auch Lehrer der damaligen Bachelor-Absolventen Eisenring und Julier war, zertrat dabei gezielt die Bodeninstallation seiner Studierenden, bis ihn eine Aufsicht stoppte. Was genau den Kunstprofessor zu diesem Akt der zerstörerischen Partizipation motiviert hatte, ist ungeklärt. Eisenrings Karriere hat er nicht geschadet – nicht zuletzt auch, weil eine Polarisierung der Szenen aufgrund der analogen oder digitalen Sozialisierung ihrer Kunstschaffenden ebenso wenig haltbar ist wie die Behauptung, dass sich die sogenannte „junge” Kunst mittlerweile kaum noch unterscheiden lasse von den Material- oder Raumzuständen, die bei ihrer Produktion anfallen oder bei der Vernissageparty.

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Cédric Eisenring, Markise, Dama Turin, A Saluzzo di Paseana, mit Galerie DREI, 2016, Installationsansicht, Courtesy the artist, Courtesy the artist
Einen schönen Beleg dafür liefern die jüngeren Arbeiten Eisenrings, für die er nicht nur klassische Techniken der Druckgraphik wie Heliogravüre, Lithografie und Kaltnadelradierung verwendet, sondern in raumgreifenden Installationen oder in poetischen, aus Regalprofilen, Schachteln und baldachinartigen Podesten arrangierten Wanddisplays zugleich deren erzählerischen Potenziale untersucht. Die Vorlagen für die einzelnen Teile dieser Bildinstallationen stammen aus Comics, Kinderbüchern und der Kunstgeschichte. Auf dem Papier entfalten sie einen Sog ins Märchenhafte, befördert von der geradezu altmodischen Delikatesse ihrer Oberflächen und ihren eigenwilligen Präsentationsformen, in denen Eisenrings Interesse am Verhältnis von Bildproduktion und Raumintervention greifbar wird. In seiner Soloschau im Aargauer Kunsthaus, die eine Auswahl seiner jüngsten Papierarbeiten und Gemälde versammelt, wird er dieser Frage zudem eine Reihe von Interventionen in den Durchgängen zwischen den Museumssälen widmen. Dass diese in der Regel wenig Beachtung finden, macht für Eisenring ihren Reiz aus, denn erst ihrer Hervorhebung durch gezielte inszenatorische Eingriffe – hier in Form von durchschreitbaren Kopfmotiven aus Epoxidharz – werden sie als Elemente einer räumlichen Syntax entzifferbar, die jede Ausstellung als Erzählung überhaupt erst in Bewegung versetzt.          

 

Cédric Eisenring: Manor Kunstpreis Aarau 2018.
Aargauer Kunsthaus
Aargauerplatz, Aarau.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr, Donnerstag 10.00 bis 20.00 Uhr.
21. Januar bis 15. April 2018.


Cédric Eisenring.
Galerie Kirchgasse
Kirchgasse 11, Steckborn.
Öffnungszeiten: Donnerstag bis Freitag 11.00 bis 18.00 Uhr, Samstag  10.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 20. Januar 2018.

 

 





Aargauer Kunsthaus
Galerie Kirchgasse