28/11/11

Von der Ideenfindung bis hin zu den Werken

Die österreichische Künstlerin VALIE EXPORT hat ihr Archiv für eine Ausstellung im Kunsthaus Bregenz geöffnet.

von Florian Weiland
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Die österreichische Künstlerin VALIE EXPORT hat ihr Archiv für eine Ausstellung im Kunsthaus Bregenz geöffnet.Valie Export

Ob ihr legendäres „Tapp und Tastkino“ wohl auch heute noch einen Skandal verursachen würde? Bei der ersten Demonstration im Jahr 1968 kam es zu Tumulten. VALIE EXPORT (*1940) setzte ihren eigenen Körper ein, um auf die sexuelle Objekthaftigkeit der Frauen aufmerksam zu machen. Die Künstlerin, die sich seit Beginn Ihrer Karriere in den Versalien eines Markennamens schreibt, hatte sich eine Art Schaukasten umgeschnallt, durch dessen mit Stoff verhüllte Vorderseite Passanten ihre nackten Brüste betasten durften. Eine gezielte Provokation, die VALIE EXPORT mit einem Schlag bekannt machte. Die umstrittene Aktion wird nun auch in ihrer Bregenzer Ausstellung ausführlich dokumentiert – womit wir beim entscheidenden Stichwort wären: Dokumentation.

Für das Kunsthaus Bregenz hat die österreichische Künstlerin erstmals ihr Archiv geöffnet. Zum Glück hat sie, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nie etwas weggeworfen. VALIE EXPORT ist eine Sammlerin. Und so konnte das Kunsthaus aus einem schier unglaublichen Fundus von Aktenordnern, Skizzen, Fotos, Drehbüchern, Plakaten und Zeitungsausschnitten auswählen. 850 Objekte der verschiedensten Art werden in einem Parcours von 57 Schaukästen gezeigt und dokumentieren ihr vielfältiges Werk. Mit dabei auch die Jeans mit ausgeschnittenem Schritt, die die Künstlerin bei ihrer „Genitalpanik“-Aktion trug und zur Ikone der feministischen Kunst wurde. Am spannendsten und aufschlussreichsten aber sind fraglos die mit der Hand oder Schreibmaschine festgehaltenen Konzepte. Durch sie gewährt VALIE EXPORT einen neuen, einzigartigen Einblick in ihre Arbeitsweise.

Um den Prozess von der Ideenfindung zu den Werken nachzuvollziehen, muss man lediglich die Stockwerke wechseln. Während im zweiten Obergeschoss die Installation „Fragmente der Bilder einer Berührung“ im Mittelpunkt steht (sie war 1994 schon einmal im Bregenzer Kunstverein zu sehen), bei der leuchtende Glühbirnen immer wieder in Flüssigkeiten wie Milch, Wasser oder Altöl getunkt und wieder herausgezogen werden, hat sich die dritte Etage des Kunsthauses in einen „Filmwald“ verwandelt, wie Kurator Rudolf Sagmeister sagt. Hier finden Ohr und Auge keine Ruhe. 30 zum Teil wenig bekannte Film- und Videoarbeiten der Künstlerin – mal medienkritisch, mal experimentell – werden, dicht an dicht und kreuz und quer im Raum, zugleich gezeigt. Auch wenn es schwer fällt, sich auf einen Film allein zu konzentrieren. Die Präsentation fasziniert und überzeugt.

VALIE EXPORT: Archiv.
Kunsthaus Bregenz

Karl-Tizian-Platz, Bregenz.

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag bis 21.00 Uhr.
Bis 22. Januar 2012.
Kunsthaus Bregenz