12/12/17

Simone Holliger

Mit Papier kann man nicht nur zeichnen, sondern auch bauen

von red.

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Simone Holliger, Eine Skulptur (nach der Zeichnungsserie Steine von Alberto Magnelli), 2017, Ausstellungsansicht Salle Crosnier, Genf, Fotos: Greg Clément
*1986 in Aarau, lebt und arbeitet in Genf

Seit einigen Jahren bediene ich mich des Papiers nicht mehr nur als Bildträger, sondern mehrheitlich als Baumaterial für das Realisieren von dreidimensionalen Formen. Die Zeichnung bleibt aber insofern präsent, als dass sie der Formfindung dient und als eine Art Schnittmuster den räumlichen Ausführungen zugrunde liegt. Oft umspielen meine Arbeiten die Grenzen zwischen Zeichnung und Skulptur, bespielen die Wand wie auch den vorgelagerten Raum und können als Raumzeichnungen, Reliefs, Installationen oder auch als Skulpturen bezeichnet werden.

In der Auswahl 17 zeige ich eine Version der Arbeit „Eine Skulptur (nach der Zeichnungsserie Steine von Alberto Magnelli)”, welche aus ca. 20 räumlichen Elementen aus Papier besteht. Wie im Titel erwähnt, habe ich Teile des Formenrepertoires des italienischen Künstlers Alberto Magnelli  aus den 1930er Jahren übernommen. Die Blätter zeigen mehrteilige, unterschiedlich komplexe Steinkompositionen, welche durch ihre skulpturale Präsenz auf dem flachen, limitieren Blattraum bestechen.

Anders als die Zeichnungen ist meine Installation den statischen Kräften unterworfen, im Leerraum schwebende Formen müssen nun durch andere in der Höhe gehalten werden. So suche ich im Installationsprozess nach Allianzen und Bezugspunkten zwischen den einzelnen Formen, um sie stehend, balancierend, liegend oder aneinander angelehnt zu präsentieren. Im Arbeitsprozess kommt dem Papier und „seinem Willen“ eine tragende Rolle zu, denn es folgt nicht immer dem definierten Verlauf, sondern schert aus, knickt ein und beult aus. Dieser Dialog mit dem Material, das Ringen zwischen dem Vorhaben und den Materialeigenschaften und ihren Grenzen prägen den Schaffensprozess.

 

Auswahl 17, Aargauer Kunsthaus, Aarau, 2. Dezember 2017 bis 7. Januar 2018.

 

Foto:

 

 

 




Simone Holliger