23/11/17

Vom Lichtblitz bis zum Pixelfehler

In Nadjana Mohrs Ausstellung „Trigger“ im CCFA Karlsruhe kann man in einen so realen wie virtuellen Austausch eintauchen

von Manuel van der Veen

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Nadjana Mohr, o.T. (Ebene), 2017, Foto: Nadjana Mohr
Obwohl die Malereien größtenteils in Schwarz und Weiß ineinander fließen, eröffnen sie eine Explosion an Variationen. Die Farbe selbst ist es, die auf dem schmalen Grat zwischen Figur und Materialität balanciert. Blitzschläge, Rauchschwaden, Bildschirmrauschen und Satellitenaufnahmen spielen mit dem Blick selbst, spielen mit einer Technologie, welche es uns möglich macht mehr zu sehen. Maschinenperspektiven auf die Millisekunde eines Blitzzuckens, ein Körper katapultiert ins Weltall, um die Erde als Einheit zu betrachten. Nadjana Mohr setzt den Vorzügen, aber auch den Schwächen dieser Apparaturen eine malerische Bewegung oder eine Reaktion der Farbe entgegen. So fließt auf dem Globus der Lack, der ihm das Massiv zurückgibt, ebenfalls die flache Leinwand hinunter. Einem zackig-zügigen Blitz schleudert Nadjana Mohr ein ebenso bewegtes Dripping entgegen.

Nadjana Mohr (*1987) studierte in Freiburg an der Außenstelle der Karlsruher Akademie der Bildenden Künste und machte dort 2014 als Meisterschülerin von Tatjana Doll ihren Abschluss. Die Malerin erhielt ein Stipendium an der Cité Internationale des Arts und verbachte sechs Monate in Paris, bis Ende September war sie noch mit einem Video an der Ausstellung „La convergence des lignes“ in der Galerie Details beteiligt. Die Früchte dieses Austausches sind nun im Centre Culturel Franco-Allemand Karlsruhe (CCFA) zu sehen. Das CCFA fördert den deutsch-französischen Austausch und setzt sich ebenso für junge Kunst ein.

Nadjana Mohr konzentriert sich ebenfalls auf einen Austausch: zwischen digital und analog. Die zwei nur schwer definierbaren Kategorien wechseln in der Ausstellung stetig die Seiten. „Bug III“, eine für diese Ausstellung konzipierte In situ-Malerei, eröffnet eine virtuelle Räumlichkeit, in der die Ecken zu zirkulieren beginnen und sich eine seltsame Höhe einstellt, die Schwindelgefühle hervorruft. Die Übersetzungsarbeit von technologischen Störungen und malerischen Elementen, zwischen Himmelswolken und Pixelfehlern ist schwere Körperarbeit, in die es einzutauchen gilt. Die Ausstellung „Trigger“ lädt ein, in die Leerstelle der Malerei zu stürzen.

 

Nadjana Mohr, Trigger
Stiftung CCFA Karlsruhe
Postgalerie, Eingang Karlstr. 16b, Karlsruhe.
Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 10.00 bis 12.30 Uhr und 14.00 bis 18.00 Uhr, Freitag 10.00 bis 12.30 Uhr.
Bis 8. Dezember 2017.

 




CCFA Karlsruhe