07/11/17

Eulen in die Schweiz tragen

Die 14. Ausgabe des Culturescapes Festivals stellt aktuelle Kunst aus Griechenland vor

von Annette Hoffmann

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Theofilos Gerontopoulos, Tea Time Europe, 2017 (l.), Courtesy the artist
Sicher, es war an der Zeit, dass Griechenland endlich einmal Thema des Festivals Culturescapes wurde. Doch es ist eben auch eine Parallelaktion. 2014 – und damit noch vor der eigentlichen Flücht­lingskrise ‒ fiel die Entscheidung für Griechenland, im gleichen Jahr gab auch Adam Szymczyk als künstlerischer Leiter der documenta 14 bekannt, dass die Weltkunstschau nicht wie immer in Kassel, sondern 2017 in Athen eröffnet werden sollte. Die diesjährige documenta machte damit eine Kunstszene sichtbar, die sich eher am Rand der öffentlichen Aufmerksamkeit bewegt. Und sie thematisierte eine komplexe Verbindung zwischen dem Philhellenismus in Europa, der deutschen Antikenbegeisterung (der auch documenta-Gründer Arnold Bode anhing) und den deutschen Kriegsverbrechen während des Nationalsozialismus sowie darüber hinaus zu den Klischees, mit denen heute versucht wird, die europäische Krise zu beschreiben – oft zu Lasten Griechenlands. Das Schweizer Festival kann sich da politisch unbefangener geben, ohne gleich unpolitisch zu werden. Und es hat den unschlagbaren Vorteil, dass es die gesamte Bandbreite des Kulturschaffens vorstellen kann – vom Theater und der Musik über den Film, hin zu Literatur, Essen und eben zur Kunst.

 

Dass Krisenzeiten gut für die Kunst sind, sagt sich so leicht und ist doch vor allem zynisch. Doch es tut sich sichtlich etwas. Auch im Sinne eines Austauschs. Wichtige Theatermacher wie Milo Rau und Rimini Protokoll haben in und über Griechenland recherchiert und präsentieren ihre Arbeiten auf dem Festival. In Basel ist der eigentliche Hauptort für eine Auseinandersetzung mit griechischer Kunst das Antikenmuseum. Das sollte man nun nicht in dem Sinne falsch verstehen, dass für Griechnland die besten Zeiten vorbei seien. Die Schau „The Decline of Heroes“ schleicht sich hier in die ständige Ausstellung ein und zeigt etwa die Video-Installation „The Holy Bachelorette in the Wedding Cave“ von Adonis Volanakis, in der er Frauen nach ihren gesellschaftlichen Rollen und zu ihrer Sexualität befragt. Einen inspirierenden Blick auf das regionale Kunstschaffen versprechen die Regionale-Ausstellungen in der Kunsthalle Basel und im Kunsthaus Baselland, wo der Architekt und Künstler Andreas Angelidakis sowie Poka-Yio, Mitbegründer der Athener Biennale,  kuratieren werden. Und wer nach einem Besuch der documenta 14 noch Fragen offen haben sollte, kann sich den 31. Oktober 2017, 18.30 Uhr vormerken. Im Kunstmuseum Basel wird dann Adam Szymczyk in der zusammen mit dem Institut Kunst der Basler HGK organisierten Reihe „Curating … Vorträge aus der Praxis des Ausstellungsmachens“ zu Gast sein. Athen könnte dabei durchaus eine Rolle spielen.         

 

Culturescapes: Griechenland.
Basel und diverse Orte, u.a. Baden, Bern, Chur, Luzern, Liechtenstein,  Lörrach, Thun und Zürich.
Bis 3. Dezember 2017.


 

 

 




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