27/10/17

Grande Dame der japanischen Kunst

Der Piet Meyer Verlag hat die Biografie von Yayoi Kusama auf Deutsch herausgebracht

von Dietrich Roeschmann

yayoikusama.jpg

Schwer zu sagen, wie oft Yayoi Kusama schon in Vergessenheit geriet, um dann ein paar Jahre später von einem begeisterten Publikum wiederentdeckt zu werden. Heute ist die exzentrische Grande Dame der japanischen Kunst 88 Jahre alt und hat sich an den Rhythmus von Erfolg und Misserfolg längst gewöhnt. Yayoi Kusama machte schon immer ihr eigenes Ding. Seit Anfang der 1960er Jahre sind das psychedelische Installationen, für die sie penis- oder pilzförmige Objekte mit gepunkten Stoffen überzieht und in verspiegelten Räumen zu scheinbar unendlichen, erotischen Landschaften arrangiert. Man kann das subjektiven Realismus nennen: Seit ihrer Kindheit wird Kusama von Halluzinationen heimgesucht. Der emotionalen Kälte ihrer Familie entfloh sie nach New York, kehrte dann Jahre später nach Tokio zurück und ließ sich in eine psychiatrische Klinik einweisen, wo sie bis heute lebt und arbeitet. Dort schrieb sie auch ihre Autobiografie, die nun erstmals auf Deutsch erscheint. Es ist die berührende Geschichte einer Frau, deren Lebenswerk auf eine irritierend hartnäckige Weise beseelt ist vom „Wunsch, schöne Spuren zu hinterlassen”.

Yayoi Kusama: Infinity Net, Piet Meyer Verlag, Zürich 2017, 372 S., 28,40 Euro | 41.90 Franken