14/10/17

Geld macht glücklich - oder doch nicht?

Lauren Greenfield hat jahrelang über Reiche recherchiert

von Dietrich Roeschmann

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Lauren Greenfield, Yvonne Xue, 44, Shanghai 2005, © 2017 Lauren Greenfield
Macht Geld glücklich – oder doch eher unglücklich, weil viele Menschen einfach nicht genug davon haben können? Letzteres legt Lauren Greenfields kiloschwerer Bildband nahe, der ihre jahrelangen Recherchen über das Streben nach Wohlstand versammelt. Von Rio über Moskau bis Dubai und Shanghai entfaltet die US-amerikanische Fotografin und Dokumentar­filmerin hier das Panorama einer bizarren Monokultur des Superreichtums. Viele der Menschen, die sie bevölkern, sehen so aus, als könnten sie gut mal eine Pause vom Luxus-Marathon gebrauchen. Für einige – etwa für den Immobilien-Mogul David Siegel und seine Frau Jacky, die Greenfield in ihrem preisgekrönten Dokumentarfilm „The Queen of Versailles” von 2012 porträtierte – kam diese Zäsur mit der Finanzkrise. Dass sich Milliardäre wie die Siegels davon auf Kosten Tausender entlassener Mitarbeiter bestens erholten, wird von Greenfield keineswegs unterschlagen. Im Gegenteil. Ihre Geschichten und gescheiterten Träume erzählen hier ebenso eindringlich wie anrührend auch von den Kollateraleffekten enfesselten Reichtums.

Lauren Greenfield: Generation Wealth, Phaidon Verlag, London, New York, Berlin 2017, 504 S., Englisch, 69,95 Euro | 101 Franken