27/09/17

Performance jetzt!

In einer Kooperation widmen sich drei Basler Institutionen der lebendigsten Kunstform

von Annette Hoffmann

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Sophie Jung, [@real, too] eh, co–?: „nah, cis. us!”, 2015 (r.), Foto: Philipp Hänger, Kunsthalle Basel
Fast wundert man sich, dass sich das Museum Tinguely, die Kaserne und die Kunsthalle Basel erst jetzt zu einem Projekt wie „Performance Process“ zusammengeschlossen haben. Denn die Stadt am Rheinknie ist die heimliche Hauptstadt der Schweizer Performancekunst. Die lokale, aber alles andere als provinzielle Basler Performancekunst wurde in Interviews und Publikationen bereits detailliert vermessen und auch die aktuelle Szene ist überaus rege. Wenn in der Ausstellung „Performance Process. 60 Jahre Performancekunst in der Schweiz“, mit dem das Projekt startete, der nationale Schwerpunkt derart betont wird, hat dies viel mit der Geschichte der Ausstellung zu tun. Der eigentliche Nukleus liegt in der gleichnamigen Themenschau des Centre culturel suisse in Paris vor zwei Jahren. Diese wurde nun für das Museum Tinguely adaptiert und erweitert, während die Kunsthalle Basel im nächsten Jahr jüngeren Künstlerinnen und Künstlern wie Ariane Koch & Sarina Scheidegger, Claudia Comte und Yves Scherer eine Ausstellungsmöglichkeit bietet. Die Kaserne hingegen zeigt Performances auf der Schnittstelle zum Tanz.

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Jean Tinguely, Study for an End of the World No. 2, 1962 (l.), Filmstill aus „David Brinkley's Journal“, NBC, Courtesy Museum Tinguely, Basel
Alexandra Bachzetsis legt mit ihrer Arbeit „This side up“ aus dem Jahr 2007 auch eine Art Definition von Performance vor. Man sieht Bachzetsis am Boden mit ihrem Körper den Raum vermessen. Neben dem Bildschirm klärt ein Poster die Begriffe: down, up, front, left und right. Eine Performance entwickelt sich in Zeit und Raum. Doch wie sieht es wirklich mit der Flüchtigkeit dieser Kunstform aus. Die Performances von Urs Lüthi oder Manon, die 1976 in „Manon presents Man“ im rot ausgeleuchteten Schaufenster ihrer Zürcher Galerie sieben Facetten von Männlichkeit als Tableau vivant einrichtete, waren Spiele mit Identitäten und verschiedenen Formen von Sexualität, aber auch singuläre Ereignisse. Doch im Verlauf der 60 Jahre, die diese Ausstellung überblickt, wurden immer auch Dokumentationen und Vermarktungen mitgedacht. Editionen erschienen, Drucksachen, Videos und Jean Tinguelys Performance „Study for the End of the World No. 2“, mit dem der Ausstellungsparcours im Museum Tinguely selbstredend startet, wurde auf Einladung der NBC verwirklicht. Wer sich auf die Performance als Kunstform einlässt und in Basel wird es in den folgenden Monaten hinreichend Gelegenheit dazu geben, begibt sich in ein Feld produktiver Widersprüche.         

 

Performance Process. 60 Jahre Performancekunst in der Schweiz Museum Tinguely
Bis 28. Januar 2018.


Performance Process. Choreografien der Performance. Kaserne
Bis 1. Oktober 2017.

New Swiss Performance Now. Kunsthalle Basel
19. Januar bis 18. Februar 2018.

Internationales Symposium: 26. bis 27. Januar 2018. Infos zu Live-Performances unter Performance Process

www.performanceprocessbasel.ch