14/09/17

Zora Kreuzer

Die in Berlin lebende Künstlerin erhält den Van-Look-Preis 2017

von Dietrich Roeschmann

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Zora Kreuzer, Wave, 2017, Installationsansicht Faulerbad Frebirbug, Courtesy the artist

Natürlich kann man sich zurückhaltendere Räume für eine Ausstellung vorstellen als ausgerechnet die Pfeilerhalle im Freiburger E-Werk. Der weitläufig verwinkelte Keller mit dem feucht-kalten Charme eines Tiefbunkers ist für viele Kunstschaffende eine echte Herausforderung. Was soll man hier zeigen, in diesem dichten Wald von Betonsäulen, flankiert von einer Reihe massiv gemauerter Rundbögen in der einen Ecke und einem gewaltigen Treppenpodest in der anderen, das in einen langen, dunklen, toten Raum mit niedriger Decke mündet? Mutiert hier nicht jede künstlerische Arbeit zwangsläufig zur austauschbaren Requisite einer alles dominierenden Architektur? 

Zora Kreuzer ist sich dieses Dilemmas durchaus bewusst. Ein Problem für sie ist es nicht. Im Gegenteil. Als frisch gekürte Trägerin des alle zwei Jahre verliehenen Van-Look-Preises für junge Kunstschaffende mit Bezug zur Region wird die 31-Jährige die Pfeilerhalle in den kommenden Wochen nun im Alleingang bespielen. Es ist nicht das erste Mal, dass sie sich auf schwierigem Terrain bewegt. Kürzlich erst gewann sie einen Kunst-am-Bau-Wettbewerb des Erlanger Eigenbetriebs für Stadtgrün, Abfallwirtschaft und Straßenreinigung, kurz EB 77. Der graue Sichtbetonbau steht eingeklemmt zwischen Bahn und Straße auf dem Gelände eines Bauhofs – nicht gerade eine Vorzugslage für Kunstwerke, könnte man meinen. Doch Kreuzer entwickelte für die Fassade eine Wandarbeit, die ausgehend vom klassischen Orange der Müllwerker-Overalls ein regelrechtes Feuerwerk der Neonlicht- und Farbfeldwandmalerei entfachte – die Mitarbeiter waren begeistert. 

Auch ansonsten arbeitet Kreuzer, die ihr Studium 2013 als Meisterschülerin von Leni Hoffmann an der Freiburger Außenstelle der Karlsruhe Kunstakademie abschloss, gerne an kunstfernen Orten. Mal sind es leer stehende Schaufenster, Treppenhäuser oder Besenkammern, mal verwinkelte Ecken hinter Lüftungsschächten – wie zurzeit in einer Gruppenschau im Basler Salon Mondial – oder Plakatwände wie während ihres letzten Aufenthalts im australischen Fremantle, wo sie seit einem Stipendium, das ihr die Basler Christoph-Merian-Stiftung 2014 ermöglichte, immer wieder ausstellt. In Freiburg brachte sie kürzlich die Garage am Kunsthaus L6 mit vier bunten Leuchtstoffröhren zum Schweben – und weil die mittlerweile in Berlin lebende Künstlerin schon mal vor Ort war, realisierte sie hier im Rahmen der jährlich wachsenden Open-Air-Schau „Kunst auf der Liegewiese" gleich eine weitere, sehr coole Lichtinstallation an der elegant geschwungenen Außenwand des Freiburger Faulerbads.    

Garage3.JPGZora Keuzer, Garage, 2017, Installationsansicht Kunsthaus L6, Freiburg, Courtesy the artist

Dass sich Zora Kreuzers Arbeiten so souverän in den unterschiedlichsten innen- und außenräumlichen Kontexten behaupten, ist kein Zufall. Ausgangspunkt ihrer Arbeiten ist die Signaletik im öffentlichen Raum, ist das Formen- und Farbenvokabular der Neonschriften, Werbegrafiken, Warnhinweise oder Straßenschilder, die unsere Aufmerksamkeit lenken. Kreuzer übersetzt diese Eindrücke auf Leinwand oder in ortsspezifische Wandmalereien. Dafür nutzt sie meist Neon-Farben, die sie in der Regel mit Weiß abtönt, um ihr grelles, signalhaftes Leuchten zu bändigen und die Farbe so auf die Fläche zurückzubringen. Einen ähnlich intensiven Dialog zwischen Raum, Licht und Farbe lancieren Kreuzers Lichtkunstarbeiten, die in geometrischen Reihungen oder fächerförmigen Arrangements verschieden farbiger Neonröhren auf oft enorm attraktive Weise die Strenge der Minimal Art mit dem Aufmerksamkeitskalkül knalliger Werbeästhetik verbinden.  

Exide, acrylic on wall, 2014, Zora Kreuzer.JPGZora Kreuzer, Exide, 2014, Ausstellungansicht PS Artspace, Fremantle, Australien, Courtesy the artist

Die Lichtdramaturgie dieser Installationen korrespondiert dabei oft mit großformatigen Wandmalereien in Streifen- oder Strahlenmustern, die von Markenlogos und Flaggendesigns bis zu Regenbögen ein breites Vokabular verständlicher Signets abrufen, zugleich aber auch den Dialog mit kunsthistorischen Positionen wie der Hard-Edge-Malerei Frank Stellas oder den Lichtkunstarbeiten Dan Flavins suchen. Der Dialog zwischen Kunst und Alltag, den Kreuzer damit stiftet, ist überaus produktiv. Außen- und Innenraum scheinen in vielen ihrer Arbeiten nahtlos ineinander überzugehen und oft ist nur schwer zu entscheiden, ob man es nun mit einem grafischen Element oder dem Kegel einer künstlichen Lichtquelle zu tun hat, die die Wand beleuchtet. Dass Kreuzer seit einiger Zeit auch mit Schwarzlicht experimentiert, ist da nur konsequent. Einige dieser Arbeiten, für die sie auf Folie aufgetragene Farbe auf den Boden bröselt und in UV-Licht taucht, lassen einen geradezu orientierungslos zwischen Fläche und Raum, grellen Farben und absoluter Finsternis taumeln.

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Zora Kreuzer, 2017, Ausstellungansicht E-Werk Freiburg, Courtesy the artist



Zora Kreuzer: Van Look Preis 2017. 
E-Werk Freiburg
Galerie II, Eschholzstr. 77, Freiburg.
Öffnungszeiten: Donnerstag bis Samstag 17.00 bis 20.30 Uhr, Sonntag 14.00 bis 18.00 Uhr.
Preisverleihung am Samstag, 16. September, 17.00 Uhr.
Bis 1. Oktober 2017 

Kunst auf der Liegewiese: Grupenschau 
Faulerbad Freiburg
Faulerstr. 1, Freiburg.
Öffnungszeiten: Freitag bis Mittwoch 12.00 bis 20.00 Uhr.
Vernisage: Sonntag, 17. September 2017, 17.00 Uhr.
Bis 28. Mai 2018 

 


 

 

 




Zora Kreuzer
Van Look Stiftung Freiburg