29/10/12

Kunstströmungen diesseits und jenseits des Atlantiks

Neue Veröffentlichungen über Minimalismus in Deutschland, Fluxus und Marcel Duchamp.

von red.
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Neue Veröffentlichungen über Minimalismus in Deutschland, Fluxus und Marcel Duchamp.

Minimalism in Deutschland, Hatje Cantz, Ostfildern 2012, 520 S., 49,80 Euro | 64 Franken
Zugegeben, der Sexappeal, den das Modell im Mini vor einer Arbeit von Peter Roehr auf dem Cover dieses Bandes ausstrahlt, erfüllt sich nicht. Doch das Überblickswerk lädt zu einer Auseinandersetzung mit dem Minimalismus der 60er Jahre in Deutschland ein. Sie ist wesentlich geprägt durch die Wiederentdeckung von Peter Roehr und Charlotte Posenenske. Minimalismus in Deutschland bewegt sich zwischen dem Einfluss der amerikanischen Minimal-Art und von Zero, den Bedingungen der deutschen Kunstszene und der europäischen Moderne. Der Band bezieht aber auch die Architektur, die Literatur und den Film mit ein.
Annette Hoffmann


Fluxus at 50, Kerber Verlag, Bielefeld 2012, 192 S., 38 Euro | 49.90 Franken
Vor 50 Jahren schlug in Wiesbaden die Geburtsstunde der vielleicht anarchistischsten Kunstströmung des 20. Jahrhunderts. Aus den Internationalen Festspielen Neuester Musik entstand die Fluxus-Bewegung, die sich mit illustren Namen wie John Cage, Dick Higgens oder Nam June Paik verbindet. Paiks Performance „Simple“ und andere werden dokumentiert. Aber das Buch will noch mehr: Anlässlich des Jubiläums sollen Geschichte, Motive und Methoden der Bewegung vorgestellt und neu interpretiert werden. Kein leichtes Unterfangen, ist doch Fluxus „eine Serie separater und diskontinuierlicher formaler Experimente, die durch wenig verbunden werden“. Dennoch: Eine spannende Zeitreise mit überraschenden Bezügen zum aktuellen Kunstgeschehen.
Florian Weiland


Marcel Duchamp in München 1912, Schirmer/Mosel, München 2012, 240 S., 39,80 Euro | 59 Franken
Im Jahr 1912 stellte ein dreimonatiger Aufenthalt in München den befreienden Wendepunkt in Marcel Duchamps Leben dar. Es war eine ereignisreiche Zeit, bestimmt durch die Ablehnung seines berühmten Bildes „Akt, eine Treppe hinab steigend“ beim Pariser Salon des Indépendants, eine unerfüllte Liebe, eine heimliche Vaterschaft, inspiriert von den Werken Lucas Cranachs und Arnold Böcklins sowie den industriellen Fertigungsverfahren und technischen Zeichnungen auf der Bayrischen Gewerbeschau. Der Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Schau im Münchner Lenbachhaus arbeitet erstmals anhand eines kleinen Konvoluts verschlüsselter Zeichnungen, Gemälden und Objekten die biografischen Begebenheiten heraus, die zum Hauptwerk „Großes Glas“ (1915-1923) führten.
Yvonne Ziegler