23/05/17

Landpartie I

Wenn der Sommer naht, wagt sich auch die Kunst nach draußen. Ein guter Grund, ihr zu folgen. Hier stellen wir Ihnen die schönsten Ausflugsziele vor

von red.

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Eva-Fiore Kovocovsky, Sequiatypien, 2017, courtesy the artist
Schlossmediale Werdenberg

Das Thema Idylle ist in Werdenberg derart offensichtlich, dass es einige Ausgaben der Schlossmediale brauchte, um sich ihm zu nähern. Werdenberg gehört zu den wenigen europäischen Städten mit einer gut erhaltenen mittelalterlichen Bausubstanz und dann thront über allem auch noch das Schloss. In diesem Jahr widmet sich die Schlossmediale Werdenberg also der Idylle, ihren Freuden, Begrenzungen und ihrer Fragilität. Ein Künstler, dessen Werk das Ambivalente des Idyllischen ausdrückt, ist Bruno Walpoth. Walpoth hat an der Kunstakademie München studiert, ist aber vor allem durch die Holzschnitzkunst des Grödnertals in Südtirol geprägt. Seine lebensgroßen Figuren sind uns so vertraut, dass sie unsere Nächsten sein könnten und doch entziehen sie sich einer eindeutigen Einordnung. In der Kunstausstellung werden auch Werke der Stipendiaten Albrecht Fersch, Wiebke Maria Wachmann und Sarah Hillebrecht zu sehen sein.

2. bis 11. Juni 2017.
Schlossmediale


Refugium

Kulturort Weiertal

Vermutlich brauchte die Beschäftigung mit der Oktoberrevolution einfach ein Gegengewicht. Kathleen Bühler ist nicht nur Co-Kuratorin der großen Berner Revolutionsausstellung, sondern verantwortet in diesem Jahr auch die Skulpturenausstellung im Kulturort Weiertal. Und die steht zwar unter dem beschaulichen Titel „Refugium“, gibt sich aber alles andere als selbstbezüglich und beschränkt. Die Schau macht so die Natur als Refugium für ausgebrannte Stadtbewohner zum Thema, die sich in und von der Natur neue Kräfte erhoffen, aber auch die Inszenierung von Wunschwelten und dem Kampf gegen die Umweltzerstörung. Insofern wird die Auseinandersetzung mit politischer oder politisierter Kunst abgefärbt haben, auch auf die Auswahl der Künstler, zu denen unter anderem Thomas Hirschhorn, Maya Bringolf und Yves Netzhammer gehören. Die Ausstellung wird durch ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Führungen, Lesungen und Gartenpartys begleitet.

Bis 10. September 2017.

Kulturort Weiertal


Klöntal Triennale
Glarus

Wenn es einen Ort gibt, der für Kunst eigentlich zu schön ist, dann ist es das Klöntal. Das Klöntal ist so wie man sich eine idealtypische Landschaft vorstellt. Doch natürlich sind auch Künstler nicht blind und so reproduzierten sie das Tal und den See immer wieder auf ihren BIldern und trugen so einiges zur Fama Klöntal bei. Alexandra Blättler und Sabine Rusterholz Petko treten in diesem Jahr zum zweiten Mal an, um die Kunst ins Klöntal zu tragen. Ihre diesjährige Ausgabe steht unter dem Motto „Part of a Moment“. Die Künstlerauswahl präsentiert sich deutlich reduziert, unter anderem sind Christian Andersen, Florian Germann und San Keller beteiligt, dafür soll es partizipativ und interaktiv zugehen. Rita McBride steuert für Zusammenkünfte tribünenartige Skulpturen bei, es sind Koch-Events und Spaziergänge geplant.

28. Mai bis 24. September 2017.
Klöntal Triennale


Museum Langmatt
Baden

Schade eigentlich, dass Léopold Rabus‘ Streifzüge ihn bislang nicht über Neuchâtel hinaus geführt haben. Der Keller des Museum Langmatt, der in diesem Sommer jungen Kunstschaffenden geöffnet wird, könnte auch Rabus gefallen. 1977 geboren und einer der wenigen figurativen Maler der Schweiz, fand er seine Sujets lange Zeit auf Spaziergängen. Er erkundete die Ränder der Stadt, stieß auf Schrebergärten, Einfamilienbungalows hinter hohen Hecken und Gartenhäuser und fragte sich: Was machen die Menschen dort eigentlich? Erholen sie sich von ihren Familien bei skurrilen Hobbys? Rabus ist nichts Menschliches fremd. Mit einiger Ironie erfindet er Szenen an entlegenen Orten. Seine jüngere Malerei bildet nun das taghelle Pendant zu seinen Nachtszenen. Das Museum Langmatt mit dem weitläufigen Garten gibt sich in diesem Jahr von einer ungewohnten Seite. In den verwinkelten Kellerräumen und den Nebengebäuden zeigen Olivia Abächerli, Jonas Burkhalter, Bettina Diel und Chris Hunter Installationen, Videos und Soundarbeiten. Auch diese Räume warten darauf, entdeckt zu werden.

Bis 3. September 2017.
Langmatt


Grüne Oase im Wandel
Schadaupark Thun

Heute würde man sie einfach eine invasive Art nennen. Doch als die Mammutbäume Mitte des 19. Jahrhunderts in Europa angesiedelt wurden, waren sie eine Sensation. Erste Samen gelangten nach England, um 1860 wurden einige Exemplare auch im Thuner Schadaupark angepflanzt. Thun hatte einmal 28 Mammutbäume, heute sind es elf. Die in Amsterdam und Berlin lebende Schweizer Künstlerin Eva-Fiore Kovacovsky hat dem letzten verbliebenen Baum im Schadaupark eine großformatige Serie von Cyanotypien gewidmet und Zapfen, Nadeln, Äste und Samen des Baumes belichtet. Kovacovsky greift dabei auf ein Verfahren zurück, das auch die britische Botanikerin und Illustratorin Anna Atkins Mitte des 19. Jahrhunderts für ihr Herbarium verwendete. 

Bis 26. November 2017.
Kunstmuseum Thun