19/05/17

Addition gerader Teile

Weder schwer noch starr: Robert Schad im Kunstmuseum Ravensburg

von Harald Ruppert

robertschad.jpg

Robert Schad, Emmen, Parras, Rumoni (v.l.n.r.), alle 2017, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Ravensburg, Foto: Wynrich Zlomke
Wenn Robert Schad (*1953) über seine Skulpturen spricht, bewegt er sich. Erst die Glieder seiner Finger, dann den ganzen Körper. „Ähnlich wie der menschliche Körper sind meine Skulpturen eine Addition gerader Teile“, sagt er. „Da wo sich die geraden Teile treffen, ist eine Bewegung potenziell möglich.“

Die Beziehung des Stahlbildhauers zu seinen Skulpturen ist eine sehr persönliche. Sie stehen nicht autistisch „für sich“, sondern letztlich immer auch für ihn. „Meine Linien sind Chiffren meiner eigenen körperlichen Befindlichkeit“, sagt er. Und dass er diese Befindlichkeit tonnenschwer in Stahl umsetzt, bedeutet nicht, dass die Verbindung durch die Veräußerlichung abbräche – denn Robert Schad begreift den Stahl als in den Raum gebrachte Zeichnung, in seiner spezifischen Handschrift. Auch die beachtlichen Dimensionen dieser Schrift sind an Schad zurückgebunden: der Vierkantstahl hat eine Kantenlänge von sechs Zentimetern, „so dass ich ihn gerade noch mit einer Hand umfassen kann“, sagt der Bildhauer.

Die sieben Skulpturen aus den Jahren 2009 bis 2017 im Kunstmuseum Ravensburg wirken weder schwer noch starr. Nicht schwer, weil es um die Linie geht anstatt um Material, das sich selbst betont. Nicht starr, weil die Skulpturen an Momentaufnahmen sich bewegender Körper erinnern; vielleicht auch an die Summe dieser Bewegungen, in dynamistischer Anspielung auf den Futurismus. Robert Schads Skulpturen liegen lang hingestreckt auf dem Boden; oder sie recken sich, bis sie fast an die gewölbte Decke des Kunstmuseums stoßen, die sich gerade dieser Skulptur zuliebe zu wölben scheint.

Robert Schad gibt seinen Skulpturen Namen, die ein Klangspiel mit den Formen treiben – „Sgrid Morim“, „Fuhl“ oder „Ketmer“ heißen sie; das klingt mythenhaft, urtümlich und damit auch wieder zeitlos. Schad will eine Kunst machen, die grundlegende menschliche Erfahrungen artikuliert und nicht eine Modeerscheinung ist, deren Stilausprägung bald wieder abgeschrieben sein wird. Seine Kunst altert gut, davon kann man sich in Ravensburg auf dem Marienplatz überzeugen: hier hat Schad 1993 „CAIDE“ installiert, ein Figurenensemble in einem Brunnenbecken. Schad, der in Ravensburg geboren wurde, lebt und arbeitet heute in Portugal und Frankreich als einer der renommiertesten Stahlbildhauer seiner Generation. 2016 realisierte er in der Bretagne einen über 300 Kilometer langen Skulpturen-Parcours mit 50 Werken. In naher Zukunft plant er in Oberschwaben Ähnliches: 50 Skulpturen will er in oberschwäbischen Dörfern ausstellen – in Ortszentren, Kirchen, Bauernhöfen und Industriebrachen.     


Robert Schad, Aktuelle Arbeiten
Kunstmuseum Ravensburg
Burgstr. 9, Ravensburg.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag 11.00 bis 19.00 Uhr.
Bis 11. Juni 2017.

 

 

 




Kunstmuseum Ravensburg