13/06/17

Selina Baumann

Die Basler Künstlerin Selina Baumann zeigt, dass man Ton durchaus ernst nehmen sollte

von Annette Hoffmann

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Selina Baumann, Ausstellungsansicht in der Caravan-Reihe im Aargauer Kunsthaus Aarau, 2017, Foto: René Rötheli, Baden

Sockel verändern die Wahrnehmung. Was lange verpönt war und im Ruf des Kunsthistorischen stand, war vor einigen Jahren wieder da, manchmal solide, manchmal als marmorierter Eye-Catcher, oft eher mit Folie überzogen als aus Marmor und als selbstverständlicher, reflektierter Teil eines Werkes. Selina Baumann (*1988) vermeidet es meist, ihre Werke auf dem Boden zu präsentieren. Dazu muss man wissen, dass die in Wattenwil geborene Baumann, die zuerst in Zürich, dann von 2011 bis 2014 in Hamburg Bildhauerei studierte, mit Ton arbeitet. Aufgesockelte Keramik – das hat etwas, schließlich haftet dem Material immer noch etwas Kunsthandwerkliches an, zu sehr Workshop, zu wenig Kunst. Selina Baumann hat sich vom schlechten Ruf des Tons nie abhalten lassen. Und wer ihre Ausstellung in der Caravan-Reihe des Aargauer Kunsthauses gesehen hat, dem hat sich etwas von der taktilen Lust am Schlagen, Stauchen und Formen des Materials vermittelt.

 

Selina Baumann hatte Anfang des Jahres dort einen hohen Sockelwald mit Plas­tiken präsentiert, deren eigentliche Grundform die Tonwulst war. Wie die Linie lässt sich diese in die unterschiedlichsten Formen bringen: Spiralen, Atommoleküle, Palmen und Bögen. Tatsächlich gehen ihren Plastiken Zeichnungen voran, die auch als autonome Werke präsentiert werden. Diese Zeichnungen sind eine Art Formarchiv, das immer wieder durchgespielt wird und das die Leichtigkeit von Papier eintauscht in einen Grundstoff, der im Feuer gehärtet wird und eigenen Gesetzen folgt. Während Selina Baumann in Aarau spontan geschaffene Formen zeigte, ist sie eher durch ausgearbeitete Plastiken bekannt geworden. Diese Objekte erinnern an seltsame Organismen, die man allenfalls in der Tiefsee vermutet hätte. Präsentiert hat sie diese auf Tischen oder niedrigen Podesten, die sie mit Stellwänden zu Nischen baute. Dass sie die Fliesen dieser Wände eigens modellierte und brannte, versteht sich fast von selbst.               

 

Selina Baumann, Swiss Art Awards 2017, Messe Basel, Halle 4.

 

 

 




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