16/02/12

Große Posen, Lärm, Tempo

Wie hebt man die Malerei mit ihren eigenen Mitteln aus den Angeln? Steffen Lenk: It’s (Not) Only Malerei, But I Like It - im Kunstverein Offenburg.

von Dietrich Roeschmann
Thumbnail

Wie hebt man die Malerei mit ihren eigenen Mitteln aus den Angeln? Steffen Lenk im Kunstverein Offenburg.4345lenk_3kl.jpg

Auf den Bildern von Steffen Lenk tragen die Männer gerne karierte Hemden. Die Ärmel aufgekrempelt, den Hut lässig in den Nacken geschoben, schweift ihr Blick in die Ferne. Was sie dort sehen? Zum Beispiel: aus Ölfarbe zusammen geschobene Bergrücken in grob gerakelten Landschaften. Fette Insekten, die ihre giftigen Stachel im Kampf gegen die Menschheit ausfahren. Ein vergnügtes Comictierpärchen beim Kopulieren auf einem Ersten-Weltkriegs-Bomber, der seine Kreise über den Köpfen von Pin-Ups in Röcken aus Dosentomaten zieht ...

Zugegeben, Steffen Lenk hatte schon immer seine eigenen Vorstellungen von gutem Geschmack. Im Kunstverein Offenburg gibt der 35-jährige Maler nun einen umfassenden Einblick in seinen skurrilen Bilderkosmos. Die nostalgisch überdrehte Atmosphäre, die hier herrscht, hat ihren Ursprung in der Trash-Kultur. Es geht um Sex, Horror und Rock’n’ Roll, um grelle Effekte, große Posen, Lärm und Tempo. Für Lenk, der in Offenburg aufwuchs und mittlerweile in Berlin lebt, ist Trash eine Frage der Haltung. Seit langem erprobt er die Übertragung seiner subversiven Dynamik in die Malerei. Wo die trashigen Varianten des Pop mit viel Dilettantismus, Ironie und der gezielten Überfrachtung konventioneller Codes jede Normalität ins Bizarre verkehrten, konzentriert sich Lenk darauf, die Konventionen der Malerei mit ihren eigenen Mitteln aus den Angeln zu heben. Das Ergebnis ist eine analytische Malerei von ungestümem Witz: Mal mutiert die Farbe hier zur Modelliermasse für zotige Knetfiguren, mal kriecht sie dick und zäh über grell gemusterte Bildgründe, auf denen sie sich zu Schädeln formt oder zu schießenden Westernheldinnen. So offensiv Lenk die Figuration ins Dreidimensionale treibt, so deutlich führt er damit zugleich vor, dass es ihm eigentlich um anderes geht: In ihrer absurden Plastizität wirken seine Cowboys und Pin-Ups wie Crash Test Dummies einer Malerei, die ständig neue Bilder über ihre eigenen Bedingungen und Möglichkeiten produziert. Diesen Eindruck bestätigen auch die zahlreichen Freunde und Idole, die Lenk mit einem oder zwei Bildern unter dem Slogan „It's (Not) Only Malerei, But I Like It“ zu seiner Ausstellung einlud. Mit dabei sind illustre Malerei-MalerInnen wie David Reed, Fabian Marcaccio, Tatjana Doll oder Pia Fries, aber auch Pop-affine Maler wie Gert und Uwe Tobias oder Stephane Zaech. Keine Frage: So kurzweilig und ausgelassen wie in dieser Schau werden die Essentials der Malerei nur selten verhandelt.

Steffen Lenk: It’s (Not) Only Malerei, But I Like It.
Kunstverein Offenburg-Mittelbaden

Amand-Goegg-Str. 2, Offenburg.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 13.00 bis 17.00 Uhr, Mittwoch 13.00 bis 20.00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 4. März 2012.
Zur Ausstellung ist ein Künstlerheft in einer Auflage von 50 Exemplaren erschienen, ca. 20 S., 50 Euro.
Kunstverein Offenburg