16/02/12

Arbeitssysteme

Auf Zwischenstopp in Liestal: "Studiolo Furniture" von Lorenzo Bernet & Yannic Joray in der Kunsthalle Palazzo.

von Annette Hoffmann
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Auf Zwischenstopp in Liestal: "Studiolo Furniture" von Lorenzo Bernet & Yannic Joray in der Kunsthalle Palazzo. 7648bernetjoray_20110206.jpg

Soll das noch Kunst sein? Nackenrollen in den Farben eines bayerischen Maibaumes, aus denen zwei kokette blonde Pferdeschwänze wachsen, die fröhlich vor sich hin wippen? Oder einfache Bänke aus schmalen Stahllatten, die durch Schaumstoff abgefedert sind? Falsche Frage, würden Fredi Fischli und Niels Olsen antworten. Viel zu kleinkariert und nicht auf der Höhe der Zeit. Und auch Lorenzo Bernet und Yannic Joray, die diese Möbel und Einrichtungsgegenstände entworfen haben, würden nur verständnislos den Kopf schütteln. Für die beiden jungen Designer ist es die erste institutionelle Ausstellung. Tatsächlich jedoch ist in der Kunsthalle Palazzo Liestal mehr zu sehen als ein Arrangement von Möbeln, angereichert mit Plastiken, die von einer Haferflockenkruste überzogen sind. Denn „Regiopark – Studiolo Furniture“ legt ein Netzwerk und deren Arbeitsweise offen.

Doch der Reihe nach. In Zürich betreiben Fredi Fischli und Niels Olsen seit Ende letzten Jahres gemeinsam den Projektraum Studiolo im ehemaligen Atelier der Bildhauerin Marianne Olsen. „Auf Empfehlung von Dr. Philip Ursprung wurden die beiden jungen Kuratoren in die Kunsthalle Palazzo eingeladen“, weiß der Pressetext zu berichten. Eine Empfehlung, die sie clever genutzt und an die beiden Designer weitergereicht haben. Denn anstelle eine Ausstellung angesagter Jungtalente zu kuratieren – was möglicherweise den Erwartungen der Kunsthalle entsprochen hätte – haben sie Bernet und Joray beauftragt, Möbel für ihren neuen Projektraum zu entwerfen. Und diese Möbeledition wurden mithilfe der Kunsthalle Palazzo nun auch unverzüglich produziert. Was kühn wirkt, hat zugleich System. Denn die Grenzen zwischen Design und Kunst sind längst aufgehoben und einer sozialen Praxis gewichen, in der die Performance über die Kunst entscheidet. Möbel werden als Kunstwerke wahrgenommen und erzielen vergleichbar hohe Summen. Als das Depot Basel vergangenen Herbst auf dem Erlenmatt eröffnet wurde, galt die erste Ausstellung der Infrastruktur dieses Vermittlungsortes für Design und dieses konnte als solche sogleich benutzt werden. Und auch der Name des Off-Raumes von Fred Fischli und Niels Olsen verweist in diese Richtung. Ein Studiolo vereint in der Tradition des Renaissance-Gelehrten Wohnraum und Studierzimmer, das Ausstellen von Kunstgegenständen mit der Reflektion darüber.

Lorenzo Bernets und Yannic Jorays Entwürfe sind daher mehr als nur schön anzusehen, in ihrer schlichten Funktionalität geben Regalsystem, Bänke, Tisch und Liege Ordnung vor, lassen Struktur sichtbar werden und werden das Arbeiten und Nachdenken über Kunst verändern - um so mehr, sobald sie an ihrem vorgesehenen Ort stehen. Die Liege etwa ist für kaum mehr als ein Power-Napping geeignet. Auch ein Möbelobjekt ist letztendlich eine Frage der Selbstoptimierung.

Regiopark – Studiolo Furniture. Lorenzo Bernet & Yannic Joray.
Kunsthalle Palazzo

Bahnhofsplatz, Liestal.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14.00 bis 18.00 Uhr, Samstag und Sonntag 13.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 18. März 2012.
Kunsthalle Palazzo