12/12/16

Stefan Jaeggi

Im Möglichkeitsraum zwischen Fotografie und virtueller Realität

von red.

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Stefan Jaeggi, Konstruktion S, 2016, Courtesy the artist
Wenn im November die traditionellen Jahresschauen der regionalen Kunstszenen eröffnen, dürfte es wieder eng werden – nicht nur an den Vernissagen-Partys, sondern auch an den Wänden der rund 40 beteiligten Ausstellungshäuser. Über 500 Künstlerinnen und Künstler wurden in diesem Jahr von den Jurys ausgewählt, um ihre Arbeiten zu präsentieren.

Doch was genau ist es eigentlich, was wir da zu sehen bekommen? Worum geht es den Künstlerinnen und Künstlern? Was treibt sie an? Um das herauszufinden, baten wir zehn Kunstschaffende, die uns in der letzten Zeit aufgefallen sind, etwas über die Arbeiten zu erzählen, mit denen sie sich am diesjährigen Panorama der Jahresausstellungen beteiligen.  

 

Stefan Jaeggi

*1972 in Niederbipp, lebt und arbeitet in Zürich

Die Realität ist ein flüchtiger Zustand. Die Bilder davon oszillieren im Möglichkeitsraum zwischen Fotografie, virtueller Realität, digitalen Profilen, Videospielen und Rendering. In diesem Spannungsfeld ist die Arbeit „Konstruktion S“ entstanden. Sie besteht aus zwei Teilen, aus vier grossformatigen Bildern und einer Videoinstallation mit neun Monitoren. „Konstruktion S“ ist eine Mischung aus verschiedenen bildlichen Ebenen. Eine Ebene ist das Abbild, die Fotografie. Eine weitere Ebene die fiktive Reduktion der Architektur zum Plan, zur Zeichnung eines Gebäudeumrisses. Eine weitere Ebene ist eine softwarespezifische Darstellung am Monitor, die farbliche Darstellung einer Maske.

Die Videoinstallation beruht auf zwei der entstandenen grossformatigen Bilder, und zieht die zeitliche Achse des Ein- und Ausblendens von einem Maskierungsmodus zum anderen in eine surreale Länge. Was normalerweise aufgrund des digitalen Verfahrens nur wenige Millisekunden dauert, und vom Auge nicht wahrgenommen werden kann, wird auf zehn bis zwanzig Sekunden ausgedehnt, und so auf unendlich viele Zwischenstadien erweitert. Neun Media Player mit bis zu sechs leicht unterschiedlichen, zufällig gespielten Videos der Überblendungen sind an je einem Monitor autonom angeschlossen.

Dabei entsteht ein Gesamtbild aus den neun Bildern der Monitore, das zufällig ist, und nie das Gleiche zeigen kann. Die grossformatigen Bilder können als Screenshots aus dem Video gelesen werden oder die Videoarbeit als Überblendung der grossformatigen Bilder mittels Videotechnik.

 

— 32. Kantonale Jahresausstellung, Kunstmuseum Solothurn, bis 2.1.2017

— Amstein + Walthert, Zürich, bis 3.3.2017

 

 

 

 

 




Stefan Jaeggi