05/12/16

Susanne Hertrich

Wie macht man etwas sichtbar, das man nicht sieht

von red.

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Susanna Hertrich, Brighter Than A Thousand Suns, 2016, Filmstills, Courtesy the artist
Wenn im November die traditionellen Jahresschauen der regionalen Kunstszenen eröffnen, dürfte es wieder eng werden – nicht nur an den Vernissagen-Partys, sondern auch an den Wänden der rund 40 beteiligten Ausstellungshäuser. Über 500 Künstlerinnen und Künstler wurden in diesem Jahr von den Jurys ausgewählt, um ihre Arbeiten zu präsentieren.

Doch was genau ist es eigentlich, was wir da zu sehen bekommen? Worum geht es den Künstlerinnen und Künstlern? Was treibt sie an? Um das herauszufinden, baten wir zehn Kunstschaffende, die uns in der letzten Zeit aufgefallen sind, etwas über die Arbeiten zu erzählen, mit denen sie sich am diesjährigen Panorama der Jahresausstellungen beteiligen.  

 

Susanna Hertrich

*1973 in Paris, lebt und arbeitet in Basel und Berlin

Ich beschäftige mich in meiner künstlerischen Arbeit häufig mit Technologien, die uns umgeben. Dabei entwerfe ich Objekte, die unsere existierende Realität in scheinbar alltäglichen Situationen um eine fiktive Perspektive erweitern. Besonders interessieren mich dabei die übersehenen, weniger offensichtlichen oder unsichtbaren Aspekte unser hochtechnologisierten Lebenswelt.

Meine Arbeit „Brighter Than A Thousand Suns“ thematisiert die unsichtbare Dimension radioaktiver Strahlung. Für diese Arbeit bin ich im Mai 2016 in die Küstenregion Fukushimas gereist. Diese Arbeit hat für mich einen starken persönlichen Aspekt, da ich seit fast 20 Jahren regelmässig nach Japan reise und mich Land und Leuten stark verbunden fühle.

Der Protagonist des etwa 15-minütigen Films ist ein junger Mann, der, in eine weisse Uniform gekleidet, die ehemaligen Sperrgebiete in Fukushima erkundet und mit einem Gerät den Boden „scannt“. Die Uniform und das Gerät zitieren sowohl Elemente historischer Samurairüstungen als auch üblicher Schutzkleidung. Die Kamera beobachtet distanziert und neutral, wie der junge Mann die vom Tsunami verwüsteten Gebiete und die seit fünf Jahren verlassenen Geisterstädte durchstreift. Seine Uniform erlaubt ihm dabei, die radioaktive Umgebungsstrahlung zu messen. Die Information über den Grad der Strahlung wird hierbei allerdings externalisiert und als Leuchten des Ornaments an seinem Helm dargestellt

Der Film kommt mit nur wenigen Kameraschwenks aus und ist überwiegend aus einer Totalen gefilmt. Diese Art der Einstellung wurde auch in den Landschaftsszenen der berühmten Samuraifilme Akira Kurosawas verwendet. Gleichzeitig bilden die ruhigen, weiten Landschaftsbilder eine Referenz an die Holzschnitte Katsushika Hokusais. 

 

— Regionale 17, Haus der elektronischen Künste, Basel, 27.11.2016 bis 8.1.2017

 

 

 




Susanna Hertrich