29/11/16

Alle Jahre wieder

Pünktlich zu Weihnachten präsentieren die Kunstvereine und Kunsthallen ihre Jahresgaben

von Annette Hoffmann

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Juliette Blightman, A bird in hand, is worth two in the bush, 2016
Sicher, seit mit Lügen Politik gemacht wird, gibt es Schlimmeres als den Satz: „Ich habe doch schon alles“. Zumal er kaum mehr ist als eine kleine Notlüge, um ein weiteres Paar Socken oder gar einen Frauenroman zu verhindern – oder eben die Aufforderung an den Fragenden, sich doch gefälligst mal eigene Gedanken über Geschenke zu machen. Wer sich derzeit durch die Homepages diverser Kunstvereine, Kunsthallen und Kunsthäuser klickt, wird sich jedoch hüten, nur zu denken, man könnte schon alles haben. Die Jahresgaben und Editionen, die diese immer kurz vor Jahresende veröffentlichen oder vom vergangenen Jahr noch nicht restlos ausverkauft sind, stellen eine wahre Wunschgeneriermaschine dar. Man muss sich dessen nicht schämen. Denn die Editionen – selten sind es Originale – kommen immer auch den Institutionen zugute und möbeln deren Ausstellungsetat auf. Sie sind zusätzliche Benefits zu Ausstellungen und daher auf eine besondere Weise mit den jeweiligen Häusern verbunden. Und wer in einem der deutschen Kunstvereine Mitglied ist, bekommt Ermäßigung in allen Kunstvereinen. So eine Kunstvereinsmitgliedschaft ist dann ein schöner Nebeneffekt.

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Lawrence Weiner, KUB Edition, 2016, Foto: Markus Tretter, © Kunsthaus Bregenz
Die Bandbreite der Jahresgaben ist so groß und unterschiedlich wie das jeweilige Profil der Häuser. So hat das Kunsthaus Bregenz (www.kunsthaus-bregenz.at) anlässlich der aktuellen Ausstellung von Lawrence Weiner eine Skulptur des US-Konzeptkünstlers anzubieten, die stolze 10.800 Euro kostet (Auflage: 25). Doch im gleichen Haus ist auch ein T-Shirt von Barbara Kruger für 49 Euro zu haben, das mit dem Aufdruck „Can money buy you love?“ für Gesprächsstoff sorgt. Die Schweiz kennt die Tradition der Kunstvereine zwar nicht, aber auch dort schätzt man Editionen als Einnahmequelle – und als Möglichkeit, Verbindung zu den Mitgliedern aufzunehmen. Die Kunsthalle Basel etwa bietet eine auf 250 Exemplare limitierte Faksimile-Arbeit von Anne Imhof an, jener Künstlerin also, die 2017 an der Biennale von Venedig den deutschen Pavillon bespielen wird. Doch auch der Weg zu den kleineren, weniger prominenten Häusern lohnt sich. Im Kunstverein Ulm etwa sind Arbeiten von Eberhard Havekost zu entdecken, im Kunstverein Freiburg Prints des Briten John Stezaker, der mit seinen Collagen bekannt wurde, und in der Bremer Gesellschaft für aktuelle Kunst  eine Auflagenarbeit von Juliette Blightman, die eben in der Kunsthalle Bern eine tolle Soloschau hatte. Eine besonders originelle Jahresgabe bietet der Kunstverein Ludwigshafen an. Sakir Gökcebags „Globe / Globus“ besteht aus zwei aufeinanderstoßenden Pümpeln. Klar, die kosten im Sanitärfachhandel weniger als die 1.250 Euro, die hier verlangt werden. Aber der Satz „Das kann ich auch“ gehört ja ohnehin zu jenen, die man ersatzlos streichen sollte.